Definition

Bestrahlungsgeräte dienen der Applikation von Energie in den menschlichen Körper.

Um eine Abgrenzung zwischen Bestrahlungsgeräten im allgemeinen und Bestrahlungsgeräten im Sinne dieser Produktgruppe zu ermöglichen, müssen zuvor einige wesentliche Begriffe definiert werden:


Begriffsbestimmungen

Die Geräte nutzen zur Energieapplikation - je nach Gerätetyp - einen bestimmten Teil (Spektrum) aus der Gesamtheit der elektromagnetischen Wellen; diese werden unter dem Oberbegriff "Strahlung" zusammengefasst.

Elektromagnetische Wellen bestehen aus miteinander gekoppelten elektrischen und magnetischen Feldern, welche sich gemeinsam und wellenförmig ausbreiten. Anhand der Wellenlänge, die in Nanometer (nm = millionstel Millimeter) angegeben wird, können so die einzelnen Strahlungsarten unterschieden und exakt definiert werden.

Elektromagnetische Wellen transportieren Energie, wobei die Energiemenge mit steigender Wellenlänge abnimmt. Je kurzwelliger eine Strahlung ist, desto mehr Energie wird dem Körper zugeführt und desto größer ist die Wirkung auf den Organismus.

Um eine bestimmte Wirkung zu erzielen, muss eine bestimmte "Dosis" verabreicht - d.h. vom Körper absorbiert - werden. Vergleichbare Effekte können durch eine höhere Bestrahlungsstärke in kürzerer Zeit oder durch eine niedrigere Bestrahlungsstärke über einen längeren Zeitraum erzielt werden.

Ordnet man die medizinisch genutzten Bereiche des elektromagnetischen Spektrums nach steigenden Wellenlängen und somit nach ihrer Energie, ergibt sich folgende Reihenfolge:

- Gamma- und Röntgenstrahlung
- ultraviolette (UV), sichtbare (Licht, VIS) und infrarote (IR) Strahlung
- Mikro- und Radiowellen (z.B. Kurz- und Dezimeterwellen)

Aufgrund des großen Energiegehaltes der Gamma- und Röntgenstrahlung und des damit verbundenen Gefährdungspotentials für Patienten, Anwender und Umwelt, dürfen Behandlungen mit diesen Strahlenarten nur von speziell weitergebildeten Ärzten durchgeführt werden.

Bei der Anwendung der Mikro- und Radiowellen sind ebenfalls umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen unter ärztlicher Aufsicht zu treffen, daher ist diese Therapieform zur häuslichen Anwendung nicht geeignet.

Bei der Behandlung mit optischer Strahlung (Licht) werden Therapieformen mit infraroter (ca. 780 nm - 1000 µm), sicht-barer ( ca. 400 nm -780 nm) und ultravioletter (ca. 100 nm - 400 nm) Strahlung sowie mit dem gesamten, sonnenähnlichen Spektrum unterschieden.


Infrarottherapie

Bei der Infrarottherapie kommt elektromagnetische Strahlung mit Wellenlängen oberhalb 780 nm zur Anwendung. Diese Strahlung ist für den Menschen nicht sichtbar und wird auch als "Wärmestrahlung" bezeichnet. Infrarote Strahlung wird in den oberen Hautschichten durch Absorption nahezu vollständig in thermische Energie (Wärme) umgewandelt. Die Infrarottherapie stellt somit eine spezielle Thermotherapie dar, wobei eine Erwärmung der Gewebe ohne Kontakt zu einem Trägermedium wie Wasser, Moorerde, Fango o.ä. stattfindet.

Nach § 34 Abs. 4 SGB V in Verbindung mit der dazu ergangenen Rechtsverordnung sind "Applikationshilfen für Wärme" von der Hilfsmittelversorgung ausgeschlossen.


Therapie mit sichtbarem Licht

Zur Behandlung depressiver Syndrome, speziell der Saisonal abhängigen Depressionen (SAD) wird sichtbares Licht eingesetzt. Auch die Heliotherapie mit einem sonnenähnlichen Spektrum fällt in diesen Bereich.

Patienten mit sogenannten Herbst-/Winterdepressionen werden dabei für mehrere Stunden täglich sehr hellem, weißem Licht ausgesetzt.

Da der therapeutische Nutzen dieser Geräte für den häuslichen Bereich bislang nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte, erfolgt keine Aufnahme in das Hilfsmittelverzeichnis.


UV-Therapie

Ultraviolette Strahlung wird in drei Bereiche UV-A (ca. 400 nm - 315 nm), UV-B (ca. 315 nm - 280 nm) und das UV-C (unterhalb 280 nm) unterteilt. UV-A und UV-B werden therapeutisch genutzt, UV-C ist für den Hilfsmittelbereich nicht erforderlich.

UV-Strahlung wird zum größten Teil in den oberen Hornhautschichten absorbiert, dabei weisen schmale Spektralbereiche ein Maximum der Wirksamkeit für bestimmte Effekte auf.

Das bekannte UV-Erythem (Sonnenbrand) wird v.a. durch UV-B hervorgerufen. Es ist kein Wärmeerythem, sondern beruht auf einer Hautreizung oder -entzündung. Nach zwei bis drei Tagen kommt es dann zu einer Pigmentierung (Bräunung) der Haut. UV-A in ausreichend hoher Dosierung bewirkt eine "Sofortpigmentierung" nach ca. 15 min - 30 min. Ein Erythem nach UV-A-Bestrahlung ist nur nach sehr intensiver Einwirkung zu erwarten.

UV-Bestrahlung wirkt weiterhin auf das autonome Nervensystem, es kommt zu vegetativen Umstimmungen, zur Synthese von biologischen Stoffen (z.B. Vitamin D).

Im UV-Bereich liegt eindeutig das Maximum der karzinogenen Wirkung der elektromagnetischen Strahlung, die z.B. die Entstehung von Hautkrebsen begünstigt (Melanome, Plattenepithelkarzinome, Basalzellkarzinome). Darüber hinaus müssen bei der Behandlung Überdosierungen individueller Festlegung, die z.B. auch zu Augenschädigungen, Erythemen oder vorzeitiger Alterung der Haut führen können, sorgfältig vermieden werden. Bestrahlungszeiten, Abstände, Intensitätsein-stellungen etc. sind genauestens einzuhalten.

Aus dem Spektrum der Selektiven UV-Phototherapie (SUP) zur Behandlung der Psoriasis hat die Schmalband UVB-Therapie in den letzten Jahren eine gewisse Bedeutung erlangt. Wird die UV-Behandlung der Haut mit einer photosen-sibilisierenden Medikation kombiniert (PUVA = Psoralen plus UVA-Strahlung), so darf dieses Verfahren wegen der möglichen Risiken nur unter strenger Indikationsstellung in der Arztpraxis oder Klinik angewandt werden.

Ganzkörper- oder flächenhaft wirkende Teilkörperbestrahlungsgeräte bewirken u.a. eine kosmetische Bräunung der Haut. Sie werden z.B. in Bräunungsstudios oder auch für die häusliche Anwendung industriell angeboten.

Wegen des Gefährdungs- und Mißbrauchpotentials fallen sie nicht in den Leistungsumfang der GKV. Ausnahmen bilden spezielle Teilkörperbestrahlungsgeräte, die unter bestimmten Voraussetzungen im häuslichen Bereich eingesetzt werden können.


Lasertherapie

Mit Laserstrahlung wird monochromatische (auf eine Wellenlänge begrenzte), kohärente (gleichphasige) und eng gebündelte optische Strahlung bezeichnet.

Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen und aus sicherheitstechnischen Gründen dürfen Mid- und Hochleistungslaser nicht im häuslichen Bereich eingesetzt werden.

Bei der Soft- oder athermischen Lasertherapie wird die Strahlung (hier meist sichtbares oder IR-Strahlung) auf das zu behandelnde Gewebe gerichtet.

Die behauptete klinische Wirksamkeit der Soft-Laserbehandlung kann wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden, siehe auch NUB-Ausschuss, Anlage 2, Nr.5 von 1989. Eine Aufnahme von Softlasern in das Hilfsmittelverzeichnis kommt daher nicht in Frage.

Indikation

Lokal begrenzte, therapieresistente Fälle von schuppenden bzw. entzündlichen und entstellenden oder funktionsbehindernden Hauterkrankungen, die auf eine UV-Therapie ansprechen, z.B.

- Psoriasis der Nägel oder Psoriasis der Kopfhaut,
- Akne,
- therapieresistente Herde, auch nach Ganzkörperbestrahlung bei Psoriasis oder Neurodermitis.

Je nach Indikation müssen die emittierten Spektren der Strahler beachtet werden.

Der Verordnung zur Heimbehandlung muss eine positive Anwendungsbeobachtung mit UV-Behandlung unter ärztlicher Aufsicht vorausgegangen sein.


Für alle im Hilfsmittelbereich eingesetzten Bestrahlungsgeräte gelten folgende Kontraindikationen:

Kontraindiziert ist die lokale UV-Therapie im Heimbereich bei

- tumorösen Hautveränderungen
- krankhafter Lichtüberempfindlichkeit der Haut z.B. Xeroderma pigmentosum
- Porphyrin-Erkrankungen
- florider Tuberculose oder anderen floriden Prozessen,
- Hyperthyreose,
- Lupus erythematodes
- begleitender medikamentöser Behandlung mit potentieller Hautschädigung oder verstärkter Lichtsensibilität.

Gerätespezifische Kontraindikationen sind aus den Bedienungsanleitungen der zugelassenen Geräte zu ersehen und strikt zu beachten.


Warnhinweise:

Die Geräte sind nur bei strikter Einhaltung der vom Arzt und Hersteller (Bedienungsanleitung) vorgegebenen Behandlungs- und Bedienungsvorgaben gefahrlos zu bedienen.

Die Augen dürfen der UV-Strahlung nicht exponiert werden, um eine UV-Konjunktivitis oder UV-Keratitis zu vermeiden. Aus diesem Grunde ist i.d.R. bei der Bestrahlung das Tragen einer Schutzbrille erforderlich.

Auch bei bestimmungsgemäßen Gebrauch sind Hautreaktionen und -reizungen nicht immer auszuschließen. Der behandelnde Arzt muss darüber informiert und in regelmäßigen Abständen zu Kontrolluntersuchungen aufgesucht werden.

Vom Versicherten ist ein Patiententagebuch zu führen, welches bei den Kontrolluntersuchungen vorzulegen ist.


Querverweise:
Keine

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