Definition

Grundsätzlich sind Schuhe Bekleidungsstücke und damit Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens. Schuhe gehören nur dann zu den Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), wenn bei definierten Krankheitsbildern/Funktionsstörungen der medizinisch notwendige Behinderungsausgleich nicht mit fußgerechten Konfektionsschuhen, deren orthopädischer Zurichtung bzw. orthopädischen Einlagen erreicht werden kann. Zu den Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung gehören

- orthopädische Maßschuhe,
- Therapieschuhe,
- orthopädische Schuhzurichtungen an Konfektionsschuhen,
- Diabetes adaptierte Fußbettungen.

Der Anspruch des Versicherten erstreckt sich nicht nur auf die Erstversorgung mit orthopädischen Maßschuhen, sondern auch auf deren Änderung, Instandsetzung (Reparaturen) und die ggf. notwendige Ersatzbeschaffung. Zu den notwendigen Änderungen gehören insbesondere Erweiterungen und Ergänzungen, die ihre Ursache in der Person des Versicherten (z.B. geändertes Krankheitsbild, Wachstum) haben.

Instandsetzungsarbeiten am orthopädischen Maßschuh können notwendig werden, um den therapeutischen Nutzen des Schuhs weiter zu erhalten. Diese Instandsetzungsarbeiten werden außerhalb der Gewährleistungspflicht dann von der GKV übernommen, wenn sie technisch möglich und wirtschaftlicher sind als eine Ersatzbeschaffung von einem (neuen) orthopädischen Maßschuh. Bei der Beurteilung einer Ersatzbeschaffung ist eine Einzelfallentscheidung zu treffen, die der Lebensweise des Versicherten, seiner Konstitution, der Art und der Beschaffenheit des orthopädischen Maßschuhs Rechnung trägt. Modetrends und kosmetische Wünsche finden keine Berücksichtigung.
Reparaturen aufgrund der normalen Abnutzung, z.B. an Absatz und Laufsohle gehen - ebenso wie Reparaturkosten für normale Schuhe - zu Lasten des Versicherten. Dies gilt auch für den Ersatz von Schnürsenkeln.

Eine Ersatzbeschaffung kommt auch in Betracht, wenn sich die Fußdeformitäten so verändert haben, dass eine Anpassung des orthopädischen Maßschuhs an die geänderten medizinischen Erfordernisse nicht möglich oder unwirtschaftlich ist.

Von der Leistungspflicht der GKV ausgeschlossen sind sog. "Spezialschuhe" oder "Schutzschuhe" für einzelne Krankheitsbilder wie Rheuma, Diabetes mellitus oder Angioneuropathie. Alle derartigen konfektionierten Spezial-/Schutzschuhe berücksichtigen nur einzelne Symptome des jeweiligen Krankheitsbildes. Darüber hinaus erfüllen sie die Grundanforderungen an fußgerechtes Schuhwerk, wie es auch für gesunde Menschen zum Einsatz kommen sollte. Gegenüber individuell und behindertengerecht hergestellten Maßschuhen wurde ihre Wirksamkeit klinisch und medizinisch bisher nicht nachgewiesen.

Bei sog. Schutz- und Spezialschuhen für Diabetiker handelt es sich um industriell gefertigte Schuhe, die sich in der Regel zur Aufnahme von Spezialeinlagen (Diabetes adaptierte Fußbettung) eignen oder diese bereits enthalten. Die Leistungspflicht der GKV erstreckt sich hierbei ausschließlich auf die therapeutisch wirkende Fußbettung (vgl. 31.03.07 Diabetes adaptierte Fußbettungen).

Die Kosten für konfektionierte Schuhe für lose Einlagen hat der Versicherte selber zu tragen. Das gilt auch, wenn serienmäßig hergestellte "Bequemschuhe" oder "Spezialschuhe" zur Aufnahme der Fußbettung vo m Versicherten gewählt werden und derartige Schuhe teurer als handelsübliche Produkte sind.

"Schutzschuhe"/Spezialschuhe sind lediglich abgewandelte "Schuhe für lose Einlagen", deren therapeutische Wirkung erst über die individuell hergestellten Einlagen oder Bettungen erzielt wird.

Orthopädische Sicherheitsschuhe, die nach den Unfallverhütungsvorschriften an bestimmten Arbeitsplätzen getragen werden müssen, sind keine Leistung der GKV.

Die Leistungspflicht der Krankenkasse beschränkt sich auf das eigentliche Hilfsmittel und umfasst nicht den Schuh als Gebrauchsgegenstand des täglichen Lebens. Von daher hat der Versicherte bei der Versorgung einen Eigenanteil zu leisten. Zur Höhe des Eigenanteils geben die Spitzenverbände der Krankenkassen gemeinsame Empfehlungen ab.

Orthopädische Zurichtungen am Konfektionsschuh, Leisten, Änderungen und Reparaturen unterliegen keinem Eigenanteil des Versicherten.


ORTHOPÄDISCHER MAßSCHUH

Hierbei handelt es sich um einen in handwerklicher Einzelanfertigung hergestellten, individuellen Maßschuh, der mit evtl. erforderlichen Zusatzarbeiten zum orthopädischen Maßschuh wird. Er ist mit "normalen" Konfektionsschuhen nicht zu vergleichen. Orthopädische Maßschuhe werden für den einzelnen erkrankten, funktionsgestörten oder (form-) fehlerhaften Fuß nach besonderem Maß- und Modellverfahren erstellt und über einen individuellen Leisten handwerklich gefertigt. Serienmäßig bzw. über Serienleisten - auch über besonders "fußgerechte" Leisten - angefertigte Schuhe sind keine orthopädischen Maßschuhe im Sinne der Gesetzlichen Krankenversicherung, auch wenn sie einzelne Merkmale von häufig erworbenen Fußfehlformen (z.B. "Ballen" bei Spreizfuß, "Altersfuß") besonders berücksichtigen. Die über derartige Leisten gefertigten "Gesund"- oder "Bequem"-Schuhe gehören ebenso nicht zum Leistungsumfang der Gesetzlichen Krankenkassen wie "orthopädische Aufbauschuhe", "semiorthopädische Schuhe" oder gar "Schuhe für lose Einlagen".

Sofern der orthopädische Schuh nach Maß oder einzelne Bestandteile des Schuhs auf Basis des individuell hergestellten Leistens nicht in der eigenen Betriebsstätte des zugelassenen Leistungserbringers hergestellt und die Standards eingehalten werden, handelt es sich auch um einen Maßschuh im Sinne dieser Produktgruppe. Der Leistungsumfang der GKV umfasst auch den optisch an den Maßschuh angepassten Schuh für die nicht versorgungsbedürftige Gegenseite.

Der orthopädische Maßschuh wird unterteilt in:

- orthopädischer Straßenschuh

Hierunter versteht man orthopädische Maßschuhe für den Alltagsgebrauch im Außenbereich in strapazierfähiger Ausführung, die auch bei starker Beanspruchung mindestens zwei Jahre funktionsfähig bleiben.

Um den Bedürfnissen der Betroffenen ausreichend Rechnung zu tragen sowie und aus hygienischen Gründen erhalten Versicherte im Rahmen der Erstversorgung grundsätzlich zwei Paar orthopädische Maßschuhe für den Straßengebrauch. Das Wechselpaar soll erst dann durch die Krankenkasse bewilligt werden, wenn das erste Paar mindestens vier Wochen positiv durch den Versicherten erprobt wurde.

Eine Ersatzbeschaffung von einem Paar orthopädischer Maßschuhe kommt grundsätzlich erst nach zwei Jahren in Betracht. Das Wechselpaar kann ausgetauscht werden, wenn eine Instandsetzung nicht mehr möglich bzw. nicht wirtschaftlich ist.

- orthopädischer Hausschuh

Hierunter versteht man orthopädische Maßschuhe in leichter Ausführung, überwiegend für den innerhäuslichen Bereich. Die Erstversorgung des Versicherten mit orthopädischen Hausschuhen umfasst grundsätzlich ein Paar. Sofern ein Versicherter keine orthopädischen Straßenschuhe benötigt (zum Beispiel Heimbewohner, Rollstuhlfahrer etc.), ist grundsätzlich ein weiteres Paar orthopädischer Hausschuhe als Wechselpaar angezeigt.

Eine Ersatzbeschaffung von orthopädischen Hausschuhen kommt grundsätzlich erst nach Ablauf von vier Jahren in Betracht.

- Sport- und Badeschuhe

Sport- oder Badeschuhe dienen entgegen den Anforderungen des Par. 33 SGB V nicht dem unmittelbaren Ausgleich einer Behinderung, sondern setzen bei deren Folgen und Auswirkungen in einem besonderen Lebensbereich an. Ein Funktionsausgleich im Rahmen der Erfüllung bzw. Befriedigung eines elementaren Grundbedürfnisses liegt nicht vor. Freizeitbeschäftigungen - welcher Art auch immer - werden vom Begriff des allgemeinen Grundbedürfnisses des täglichen Lebensführung nicht erfasst. Sport- oder Badeschuhe, die einzig zum Schwimmen oder zur sportlichen Betätigung im Sinne einer Freizeitbeschäftigung benötigt werden, fallen daher nicht in die Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Eine Leistungspflicht der GKV z.B. für Badeschuhe kann dann in Betracht kommen, wenn derartige Produkte im Zusammenhang mit Übungsbehandlungen im Wasser oder zur Krankengymnastik im Bewegungsbad auf der Grundlage des Par. 32 SGB V benötigt werden. Im Einzelfall kann sich eine analoge leistungsrechtliche Bewertung für Sportschuhe ergeben.

Eine Leistungspflicht für Sport- oder Badeschuhe kommt in Betracht, wenn diese z.B. für den Schulsport benötigt werden bzw. Kinder am Schwimmunterricht teilnehmen. Es kann grundsätzlich eine Versorgung mit einem Paar erfolgen. Sofern es sich um Schuhzurichtungen an handelsüblichen Sportschuhen handelt, beschränkt sich die Leistungspflicht der GKV ebenfalls auf Zurichtungen für ein Paar.

Nach der Erstversorgung kommt eine Ersatzbeschaffung von Sport- oder Badeschuhen bei Erwachsenen grundsätzlich erst nach Ablauf von vier Jahren in Betracht.

- orthopädischer Interimsschuh

Interimsschuhe sind orthopädische Maßschuhe aus leichtem, nachgiebigen Schaftmaterial, die in der frühen postoperativen/ posttraumatischen Übergangsphase die schnelle Mobilisation eines sonst nicht gehfähigen Versicherten ermöglichen. Voraussetzung für die Versorgung mit einem Interimsschuh ist, dass eine ausreichende Mobilität durch den Einsatz von konfektionierten Schuhen bzw. durch eine andere Hilfsmittelversorgung nicht erreicht werden kann.

Die Versorgung erfolgt grundsätzlich nur für den versorgungsbedürftigen Fuß und nur während der frühen Krankheits-/Rehabilitationsphase.


ZUSATZARBEITEN AM ORTHOPÄDISCHEN MAßSCHUH

Zusatzarbeiten am orthopädischen Maßschuh komplettieren den orthopädischen Maßschuh in besonderen Fällen je nach Indikation zu einem individuellen Hilfsmittel.


ÄNDERUNGEN/INSTANDSETZUNGEN AM ORTHOPÄDISCHEN MAßSCHUH

Hierunter sind die außerhalb der Gewährleistungspflicht notwendig werdenden Änderungs-/Instandsetzungsarbeiten aufgeführt, die dem Erhalt des therapeutischen Nutzens des orthopädischen Maßschuhes dienen.

Reparaturen an Absatz und Laufsohle durch Abnutzung und Verschleiß an Schnürsenkeln gehen zu Lasten des Versicherten.


THERAPIESCHUHE, KONFEKTIONIERT

Konfektionierte Therapieschuhe werden unterteilt in:

- Stabilisationsschuhe bei Sprunggelenkschäden

Diese Stabilisationsschuhe dienen der funktionellen Nachbehandlung von Bandverletzungen des oberen Sprunggelenks. Durch die funktionelle Nachbehandlung soll bei eingeschränkter Beweglichkeit des verletzten Fußes eine frühzeitige Mobilisation erreicht werden, wodurch sowohl die Dauer des Krankenhausaufenthaltes als auch die der Arbeitsunfähigkeit verkürzt werden kann. Die Leistungspflicht der GKV erstreckt sich nur auf die Versorgung des jeweils verletzten Sprunggelenks (Einzelschuhversorgung).

Voraussetzungen für die Verordnung eines Stabilisationsschuhs ist eine Versorgung direkt nach Abschluss der Wundheilung bzw. nach Abschwellung des Sprunggelenks, spätestens jedoch zehn Tage nach der operativen Bandnaht bzw. nach dem Unfalltag.

Bei ambulanter Behandlung kann die Versorgung mit einem Stabilisationsschuh nur unter Wirtschaftlichkeitsaspekten erfolgen. Voraussetzungen für die Verordnung ist die Abwendung einer sonst drohenden Arbeitsunfähigkeit bzw. deren Verkürzung oder die Einsparung von physiotherapeutischen Maßnahmen.

Bei der Beurteilung der Leistungspflicht ist neben der medizinischen Notwendigkeit und der Wirtschaftlichkeit (Einzelschuhversorgung) ferner zu beachten, dass eine ausreichende Stabilisierung auch in Ruhezeiten, vor allem nachts, sichergestellt sein muss. Zu diesem Zweck sind zusätzliche Maßnahmen, evtl. auch Hilfsmittel (z.B. Nachtschienen), erforderlich.

Die Versorgung mit einer Funktionssicherungsbandage nach Position 05.02.02.0 oder Orthesen ist gegenüber diesem Stabilisationsschuh wirtschaftlicher.

- Stabilisationsschuhe bei Lähmungszuständen

Diese Stabilisationsschuhe sind für die Sofortversorgung von zentralen oder peripheren Lähmungszuständen, z.B. nach Schlaganfall oder bei Peronäuslähmung, konstruiert und anstelle von bzw. unterstützend zu Lähmungsorthesen oder Bandagen einsetzbar.

Die Leistungspflicht der GKV erstreckt sich nur auf die Versorgung der jeweils betroffenen Körperseite (Einzelschuhversorgung).

- Verbandschuhe

Die serienmäßig hergestellten Verbandschuhe sollen frühzeitig die Gehfähigkeit bei der Notwendigkeit umfangreicher Verbände im Fuß-/Beinbereich und gegebener Belastbarkeit des Restfußes herstellen und zum Schutz des Verbandes gegen äußere Einflüsse dienen.

Je nach Indikation und voraussichtlicher Einsatzdauer lassen sie sich unterteilen in Verbandschuhe

- für eine mehrwöchige Verwendung (Kurzzeit) und
- für eine mehrmonatige Verwendung (Langzeit).

Die Leistungspflicht der GKV erstreckt sich nur auf die Versorgung des operierten/verletzten Fußes (Einzelschuhversorgung).

- Fußteil-Entlastungsschuh

Die Fußteil-Entlastungsschuhe konzentrieren die Auftrittsbelastung auf den belastbaren Teil des Fußes, entweder den Vorfuß oder den Fersenbereich. Bei Zustand nach Verletzung oder Operation bzw. auch einem offenen Fußgeschwür (Malum perforans) wird mit Anwendung dieses funktionellen, therapeutischen Schuhersatzes das Gehen ermöglicht und die Wundheilung begünstigt.

Die Versorgung erfolgt nur für den verletzten bzw. operierten Fuß (Einzelschuhversorgung).

- Korrektursicherungsschuh

Anti-Varus-Schuhe bzw. Anti-Adduktions-Schuhe für kindliche Sichelfüße dienen der Sicherung des Korrekturergebnisses nach Operationen oder Redressionen.

Das ebenfalls zum Leistungsumfang der GKV gehörende Gegenstück ist entsprechend den exakten Größenverhältnissen des Fußes auszuwählen, wobei ein optisch möglichst geringer Unterschied zum Versorgungsschuh bestehen sollte, und die Statik und Dynamik des Fußes genauestens zu beachten sind.

- Schuhe über Beinorthese

Es handelt sich hierbei um paarweise angebotene konfektionierte Orthesenschuhe für Personen, die Orthesen im Beinbereich tragen müssen. Orthesenschuhe weisen ausreichend Raum für die notwendigen Fußteile und Schienen einer Orthese auf und sind stabiler als ein Normalschuh gearbeitet. Bei Orthesen mit Fußteil wird nicht nur mehr Platz im Schuhinneren benötigt, sondern das Schuhmaterial auch höher beansprucht als durch den Fuß selbst. Der Schuh der Gegenseite muss ggf. eine orthesenbedingte Beinlängendifferenz ausgleichen (Schuhzurichtung). Wenn Orthesen getragen werden müssen und diese weder in einem auf dem Markt erhältlichen Konfektionsschuh noch in einem speziellen, konfektionierten Orthesenschuh passen, ist die Verordnung von orthopädischen Maßschuhen im begründeten Einzelfall möglich. Sofern Orthesen, z.B. Peronäusorthesen, Schienen oder Schuhbügel am Schuh zu befestigen sind, ist der dafür einsetzbare Schuh, auch wenn er als "Spezialschuh" angeboten wird, keine Leistung der GKV.


ORTHOPÄDISCHE ZURICHTUNGEN AM KONFEKTIONSSCHUH

Orthopädische Zurichtungen am Konfektionsschuh dienen dazu, den vorhandenen Schuh des Versicherten so zu gestalten, dass durch einzeln oder in Kombination vorgenommene

- Arbeiten am Absatz
- Arbeiten zur Schuherhöhung
- Arbeiten an der Sohle
- Arbeiten zur Entlastung, Stützung, Polsterung und Schaftveränderung.

Fußbeschwerden, die die Gehfähigkeit und Gehausdauer einschränken, beseitigt oder gemindert werden.

Bei der Erstversorgung ist eine Mehrfachausstattung für maximal drei Paar Konfektionsschuhe möglich. Als Nachversorgung kommen maximal zwei Versorgungen jährlich in Betracht. Geeignete Konfektionsschuhe dürfen eine Absatzhöhe von 3 cm nicht überschreiten.

Orthopädische Zurichtungen an Sicherheitsschuhen, die nach den Unfallverhütungsvorschriften an bestimmten Arbeitsplätzen getragen werden müssen, sind keine Leistung der GKV.


LEISTEN

Der Leisten für den orthopädischen Maßschuh wird durch den hierfür zugelassenen Leistungserbringer individuell nach den Maßen des Fußes bzw. auch des Beines hergestellt, je nach Versorgungszweck als Halbschuh-, als Knöchel- oder als Beinleisten.

Bei der Erstversorgung ist die individuelle Anfertigung eines Leistens erforderlich.

Bei einer erneuten Versorgung ist der vorhandene Leisten zu verwenden, auch bei geringfügig veränderter Deformierung des Fußes.

Bei größeren Veränderungen kann unter Umständen der vorhandene Leisten nach neuen Maßen umgestellt werden, sofern eine Schuhversorgung vom Arzt wegen Fußveränderungen verordnet wird.

Aus diesem Grunde ist der Leisten mindestens 6 Jahre aufzubewahren.

Bei begründeten Lieferantenwechseln ist ein neuer Leisten zu bewilligen, da der Vorlieferant auf Grund der Vorschriften des MPG (Dokumentation) und aus produkthaftungsrechtlichen Gründen (BGB) den Leisten aufzubewahren hat. Der Leisten ist Eigentum des zugelassenen Leistungserbringers.


ABRECHNUNGSPOSITIONEN FÜR ZUSÄTZE

Hierunter sind die ggf. erforderlichen Sonderarbeiten, die indikationsbezogen zur Erstellung eines orthopädischen Maßschuhs (Straßen-, Haus-, Sport-, Interims- und Badeschuh) oder bei der orthopädischen Zurichtung eines Konfektionsschuhs sonst noch notwendig sein können, aufgeführt.


Querverweise:

Stabilisatoren: siehe auch Sprunggelenk-Stabilisierungsbandagen, PG 05 "Bandagen"

Innenschuh: siehe PG 23 "Orthesen/Schienen"

Fußersatzstück: siehe PG 24 "Prothesen"

Siehe auch PG 08 "Einlagen"


Stand: 22.06.2007

Indikation

ORTHOPÄDISCHER MAßSCHUH

Der orthopädische Maßschuh ist nur indiziert, wenn der Fuß in seiner Form, Funktion und/oder Belastungsfähigkeit so verändert ist, dass weder

- Fuß- bzw. entsprechende Krankengymnastik,
- fußgerechtes Konfektionsschuhwerk,
- lose orthopädische Einlagen,
- Therapieschuhe,
- orthopädische Schuhzurichtungen,

noch

- sonstige orthopädietechnische Versorgungen in Verbindung mit Konfektionsschuhen

ausreichen, um eine dem Krankheitsbild oder der Behinderung angemessene Gehfunktion aufrecht zu erhalten oder zu ermöglichen.

Es ist nicht als ausreichende Indikation für orthopädische Maßschuhe anzusehen, dass (orthopädische) Einlagen, sog. Kleinorthesen oder orthopädische Schuhzurichtungen, wegen ungenügender Länge oder Weite der vorhandenen, gewohnheitsmäßig getragenen Schuhe sonst nicht eingesetzt werden können.

Nach dem derzeitigen medizinisch/wissenschaftlichen Kenntnisstand sind orthopädische Maßschuhe in Verbindung von Form- und Funktionsveränderungen mit folgenden Krankheitsbildern indiziert:

1. Hochgradige dekompensierte Valgusstellung der Ferse und Verlust des Längsgewölbes bei Knick-/Plattfüßen, die nicht mehr und nur teilweise korrekturfähig sind, Plattfüße Schaukelfuß/Tintenlöscherfuß) in Wiegenform.

2. Überlastung der Außenkante des Fußes bei Klumpfüßen

3. Schmerzhafte Wackelsteife (noch keine komplette Versteifung, hochgradige Bewegungseinschränkung) des oberen Sprunggelenkes (arthrotisch/pseudarthrotisch).

4. Schmerzhafte Funktionsstörungen der Fußwurzelgelenke, auch als Verletzungsfolgen, besonders in Verbindung mit gleichzeitiger Vorfußverformung und bei wesentlicher Störung der Fußabwicklung mit der Notwendigkeit der Stabilisierung des Rückfußes.

5. Beinverkürzungen von mindestens 3,5 cm.

6. Nicht korrigierbare Fußfehlform bei ausgeprägten Lähmungsfüßen.

7. Hochgradige Sprengung des Fußlängsgewölbes bei Ballenhohlfüßen.

8. Fußteilverlust der eine Stabilisierung im Rückfuß erforderlich macht (in der Regel proximal der transmetatarsalen Amputationslinie).

9. Ausgeprägte angeborene oder erworbene Veränderungen des Fußes(auch der Zehen), bei denen aufgrund der Breite oder der Höhe des Fußes eine anderweitige Versorgung nicht mehr möglich ist.

10. Schmerzhafte Fehlstellung der Zehengelenke bei chronischen Gelenkentzündungen mit wesentlicher Beeinträchtigung der Belastungsfähigkeit (z.B. Rheuma).

11. Über Beinorthesen, wenn die Verwendung von Konfektionsschuhen, oder konfektionierten Schuhen nicht möglich ist.

12. Andauernde ausgeprägte, andauernde Schwellungszustände der Füße und der Unterschenkel (z.B. Elephantiasis u.a. vergleichbare Zustände). Im Tagesverlauf auftretende Schwellungen stellen keine Indikation für orthopädische
Maßschuhe dar.


ZUSATZARBEITEN AM ORTHOPÄDISCHEN MAßSCHUH

Gegenüber dem orthopädischen Maßschuh für den nicht versorgungsbedürftigen Fuß sind bei verschiedenen Krankheitsbildern, aber auch bei groben Abweichungen von der Form und Funktion des Fußes sowie der Beinlänge, verschiedene Zusatzarbeiten am orthopädischen Maßschuh vorzunehmen. Dabei handelt es sich um

- Zusatzarbeiten an der Sohle
- Zusatzarbeiten am Absatz
- Zusatzarbeiten bei Beinorthese
- Zusatzarbeiten an der Hinterkappe
- Zusatzarbeiten zur Bodenversteifung
- Zusatzarbeiten am Blatt/Futter/Schaft
- Zusatzarbeiten bei Beinlängendifferenz
- Zusatzarbeiten für Fußbettung und -entlastung
- Zusatzarbeiten bei Amputation im Vorfußbereich.

Oben genannte Indikationen sind einzeln oder in Verbindung miteinander die Grundlage für die Verordnung eines orthopädischen Maßschuhs, so dass in vielen Versorgungsfällen mehrere Krankheitsbilder in Kombination vorliegen. Daraus ergibt sich die grundsätzliche Kombinationsmöglichkeit mehrerer, einzeln zu begründender Zusatzarbeiten am orthopädischen Maßschuh.


THERAPIESCHUHE, KONFEKTIONIERT

Stabilisationsschuhe:

Sie sind für den beabsichtigten therapeutischen und von vornherein zeitlich begrenzten Zweck konstruiert, nämlich

- zur Ruhigstellung bei Band- und Sehnenschädigungen im Bereich der Sprunggelenke,

- bei Zustand nach operativ versorgter Bandverletzung am oberen Sprunggelenk (Bandnaht),

- bei konservativer Behandlung frischer Kapselbandverletzung,

oder

- bei peripheren oder zentralen neurologischen Krankheitsbildern, z.B. bei spastischen Lähmungen, nach cerebralem Insult bzw. bei der infantilen Zerebralparese (Morbus Little), in der Regel als vorübergehende Sofortversorgung.


Verbandschuhe:

Verbandschuhe dienen der Aufnahme umfangreicher, auch gepolsterter Fußverbände als vorübergehende Fußbekleidung; sie stellen durch ihren Einsatz frühzeitig die Gehfähigkeit des Patienten wieder her.


Fußteil-Entlastungsschuhe:

Sie dienen zur Frühmobilisation unter Entlastung des Vorfuß-/Zehenbereiches bzw. Rückfußes, je nach Krankheitsbild, z.B. Malum perforans, Verletzung oder Operation.


Korrektursicherungsschuhe:

Korrektursicherungsschuhe sind für Kinder bis zum Vorschulalter indiziert bei Zustand nach erfolgter Sichelfußkorrektur, um den Erhalt der erzielten Korrektur zu gewährleisten.


Schuhe über Beinorthese:

Die Versorgung mit Orthesenschuhen ist angezeigt, wenn Kinder oder Jugendliche aufgrund ihres Krankheitsbildes eine Beinorthese mit Fußteil tragen müssen, und dieses Fußteil keine Aufnahme in herkömmlichen Konfektionsschuhen finden kann.

Nur in seltenen, speziell zu begründenden Einzelfällen sind auch im Erwachsenenalter orthopädische Maßschuhe oder Spezialschuhe über Beinorthesen zu Lasten der GKV verordnungsfähig.


ORTHOPÄDISCHE ZURICHTUNGEN AM KONFEKTIONIERTEN SCHUH

Indikationen siehe Produktarten


ÄNDERUNGEN/INSTANDSETZUNGEN AM ORTHOPÄDISCHEN SCHUH

Indikationen siehe Produktarten.


Stand: 22.06.2007

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