Definition

Stehhilfen ermöglichen bei angeborenen oder erworbenen Einschränkungen bzw. Verlust des kontrollierten Stehvermögens den Verbleib in einer senkrechten (oder annähernd senkrechten) Körperhaltung über ein eventuell mögliches kurzzeitiges Aufrichten in den Stand hinaus.

Die Einnahme der Stehhaltung bzw. das Training (Stehübung) ist bei begründeter Aussicht auf Wiedererlangung einer Gehfähigkeit therapeutisch erforderlich. Darüber hinaus hat sich sowohl das Stehtraining als auch die Stehhaltung in der Langzeitbehandlung von Lähmungserscheinungen auch hinsichtlich der Gleichgewichtsschulung, der Kreislaufkonditionierung, der Dekubitusprophylaxe, des Blasentrainings und der Kontrakturprophylaxe bewährt.

Bei den derzeit existierenden technischen Lösungen sind bei einer Reihe von Produkten fließende Übergänge von Sitzhilfe zu Stehhilfe bzw. von Stehhilfe zu Gehhilfe zu finden oder sie vereinen als "Baukastensystem" die Möglichkeit der Um-/Aus-/Aufrüstungen zu Sitz-/Steh-/Gehhilfen.


Stehhilfen sind einteilbar in:

1. Stehständer

Hierbei handelt es sich um Geräte zur Stabilisierung der Fuß-, Knie- und evtl. der Hüftgelenke zur Durchführung von Steh- und Bewegungsübungen des Rumpfes und der oberen Extremitäten. Nach Konstruktionsmerkmalen werden unterschieden:

- Stehständer, feststehend
- Stehständer, fahrbar
- Stehständer zur Wandmontage
- Stehständer zur selbständigen Fortbewegung

2. Schrägliegebretter

Diese Geräte dienen ebenfalls der Stabilisierung von Rumpf und Beinen. Schrägliegebretter erleichtern die Kopfkontrolle und Armfunktion und helfen, den sonst sehr eingeschränkten Gesichtskreis zu erweitern. Sie sind winkelverstellbar von der Horizontalen bis fast zur Senkrechten und lassen sich auch zu therapeutischen Zwecken und bei der Nahrungsaufnahme (Füttern) verwenden. Nach Konstruktionsmerkmalen werden unterschieden:

- Schrägliegebretter, feststehend
- Schrägliegebretter, fahrbar
- Schrägliegebretter zur selbständigen Fortbewegung

Bei Stehständern und Schrägliegebrettern zur selbständigen Fortbewegung ist die Möglichkeit der selbständigen Fortbewegung durch z.B. seitlich angebrachte Greifreifen gegeben.

In Einzelfällen können Sonderanfertigungen entsprechend dem Krankheitsbild notwendig sein. Sie erfüllen die oben beschriebenen Funktionen, können jedoch wegen einer speziellen körperlichen Situation bzw. Konstitution erforderlich sein.


Querverweise:

siehe auch: PG 10 "Gehhilfen"

siehe auch: PG 26 "Sitzhilfen"

Rollstuhl mit Stehvorrichtung: siehe PG 18 "Krankenfahrzeuge"

Stehbetten: siehe PG 19 "Krankenpflegeartikel"

Lifter mit Stehvorrichtung: siehe PG 22 "Mobilitätshilfen"

Beinschienen: siehe PG 23 "Orthesen"

Indikation

Ziel der Versorgung mit Stehhilfen ist, die Einnahme einer senkrechten oder annähernd senkrechten (schrägen) Körperhaltung zu ermöglichen. Die Benutzung von Stehhilfen dient entweder der Vorbereitung eines Gehtrainings oder dem therapeutischen Nutzen des Stehens bei Gelähmten hinsichtlich des Kreislauftrainings, einer Knochenstoffwechselanregung, der Kontrakturprophylaxe, einer Dekubitus- und Thromboseprophylaxe sowie der Nierenfunktions-/ Harnableitungsförderung, Förderung der Darmpesestatik und Hemmung der Spastizität.


Abhängig vom Ausmaß der jeweiligen Funktionseinschränkung
sind Stehhilfen indiziert bei:

- kompletten/inkompletten Lähmungen der Beine (Paraplegie)

- kompletten/inkompletten Lähmungen der Beine und des Rumpfes (Schädigung des Rückenmarks unterhalb Segment C 8)

- kompletten/inkompletten Lähmungen der Beine, des Rumpfes und der Arme (Tetraplegie)

z.B. aufgrund eines(r)

- Querschnittsyndroms

- Cerebralparese

- Poliomyelitis

- Multiplen Sklerose

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