Definition

Gliederung:
- BEINPROTHESEN
- BRUSTPROTHESEN
- KUNSTAUGEN / AUGENPROTHESEN



BEINPROTHESEN

Beinprothesen sind Körperersatzstücke zum funktionellen Ausgleich einer Behinderung nach Amputationen im Bereich der unteren Gliedmaßen. Dazu zählen innerhalb dieser Teilproduktgruppe Zehenprothesen, Fußteilprothesen, Fußprothesen, Unterschenkelprothesen, Knieexartikulationsprothesen, Oberschenkelprothesen, Hüftexartikulationsprothesen und Hemipelvektomieprothesen.

Fertigungstechniken

Die Fertigung von Beinprothesen erfolgt in Modulbauweise(Endoskeletalbauweise) oder in Schalenbauweise(Exoskeletalbauweise).

Modulbauweise:

Die Beinprothese setzt sich aus einzelnen austauschbaren Modulen wie Füßen, Kniegelenken und Schäften zusammen. Die einzelnen Passteile werden mittels einstellbarer Adapter und Rohre miteinander verbunden. Zur Befestigung der Stumpfschäfte werden spezielle Schaftadapter verwendet. Die Passteile bestehen u.a. aus Kunststoffen wie Faserverbundwerkstoffe, Schaum, Carbonfaser und/oder aus Metallen wie Stahl, Aluminium, Titan u.a.

Die Modulbauweise erlaubt eine feinere, jederzeit korrigierbare Justierung der verwendeten Elemente und somit auch eine Änderung der Statik.

Die "Rohrskelettprothesen" werden aus kosmetischen Gründen mit nicht tragenden Elementen verkleidet.

Schalenbauweise:

Die Prothese setzt sich aus in der Form vorgefertigten Passteilen zusammen, die meist aus Holz, Hartschaum oder Kunststoff (Gießharz als Faserverbundwerkstoff (FVW)) bestehen. Die äußere Schale trägt und dient gleichzeitig der Formgebung. Eine nachträgliche Justierung der Statik ist bei solchen Prothesen mit einem erheblichen Aufwand verbunden, da die einzelnen Passteile durch Sägen etc. voneinander getrennt werden müssen.

Einteilung in Mobilitätsgrade

Beinprothesen sind unter Berücksichtigung der Mobilitätsbeurteilung (Mob.-Grad 1-4) und der dafür funktional geeigneten Passteile zu konfigurieren.

Die Einteilung in definierte Mobilitätsgrade ermöglicht eine zielgerichtetere Auswahl der richtigen Technik und soll sicherstellen, dass bei der Versorgung mit einer Beinprothese diese die notwendigen, dem Leistungsvermögen des Versicherten entsprechenden funktionalen Eigenschaften aufweist. Die einzelnen Passteile und Prothesenschäfte sind ebenfalls Mobilitätsgraden oder Eigenschaftsmerkmalen zugeordnet, so dass eine für alle Beteiligten transparente, nachvollziehbare und den Erfordernissen entsprechende Versorgung möglich ist. Im Hilfsmittelverzeichnis werden die Passteile und Schaftsysteme mit den Mobilitätsgraden und den funktionalen Eigenschaften gezielt zusammengeführt. So setzt sich die individuelle Prothese aus den jeweils vom einzelnen Patienten benötigten Passteilen und Schaftsystemen modular zusammen.

- Mobilitätsgrad 0:
"Nichtgehfähiger"
Der Patient besitzt zurzeit selbst mit fremder Hilfe nicht die Fähigkeit, sich mit einer Prothese fortzubewegen oder sie zum Transfer zu nutzen.

Therapieziel:
Mobilisierung mit dem Rollstuhl, keine funktionelle Prothesenversorgung.

- Mobilitätsgrad 1:
"Innenbereichsgeher"

Der Patient besitzt die Fähigkeit oder das Potenzial, eine Prothese für Transferzwecke und zur Fortbewegung auf ebenen Böden mit geringer Gehgeschwindigkeit zu nutzen. Gehdauer und Gehstrecke sind aufgrund seines Zustandes stark eingeschränkt.

Therapieziel:
Wiederherstellung der Stehfähigkeit und der auf den Innenbereich eingeschränkten Gehfähigkeit.

- Mobilitätsgrad 2:
"Eingeschränkter Außenbereichsgeher"
Der Patient besitzt die Fähigkeit oder das Potenzial, sich mit einer Prothese mit geringer Gehgeschwindigkeit fortzubewegen und dabei niedrige Umwelthindernisse wie Bordsteine, einzelne Stufen oder unebene Böden zu überwinden. Gehdauer und Gehstrecke sind aufgrund seines Zustandes eingeschränkt.

Therapieziel:
Wiederherstellung der Stehfähigkeit und der auf den Innenbereich und auf den Außenbereich eingeschränkten Gehfähigkeit.

- Mobilitätsgrad 3:
"Uneingeschränkter Außenbereichsgeher"
Der Patient besitzt die Fähigkeit oder das Potenzial, sich mit einer Prothese mit mittlerer bis hoher, auch veränderlicher Gehgeschwindigkeit fortzubewegen und dabei die meisten Umwelthindernisse zu überwinden. Er besitzt außerdem die Fähigkeit, sich im freien Gelände zu bewegen und kann berufliche, therapeutische und andere Aktivitäten ausüben, die die Prothese nicht überdurchschnittlicher, mechanischer Beanspruchung aussetzen. Ggf. besteht ein erhöhter Sicherheitsbedarf aufgrund von Sekundärbedingungen (zusätzliche Behinderung, besondere Lebensbedingungen) in Verbindung mit einem mittleren bis hohen Mobilitätsanspruch. Gehdauer und Gehstrecke sind im Vergleich zum Unbehinderten nur unwesentlich eingeschränkt.

Therapieziel:
Wiederherstellung der Stehfähigkeit und der im Innenbereich und im Außenbereich nur unwesentlich eingeschränkten Gehfähigkeit.

- Mobilitätsgrad 4:
"Uneingeschränkter Außenbereichsgeher mit besonders hohen Ansprüchen"
Der Patient besitzt die Fähigkeit oder das Potenzial, sich mit einer Prothese wie der uneingeschränkte Außenbereichsgeher fortzubewegen. Zusätzlich können aufgrund der hohen funktionellen Anforderungen hohe Stoßbelastungen, Spannungen, Verformungen auftreten. Gehdauer und Gehstrecke sind nicht limitiert.

Therapieziel:
Wiederherstellung der Stehfähigkeit und der im Innen- und Außenbereich uneingeschränkten Geh- und Mobilitätsfähigkeit.

Zur Feststellung des Mobilitätsgrades kann der als Anhang zur Produktgruppe 24 "Prothesen" veröffentlichte Profilerhebungsbogen verwendet werden. Er dient der Erfassung der versorgungsrelevanten Informationen über den Patienten, die Art und den Umfang der Amputation, das prothetisch zu versorgende Gliedmaß, ggf. vorhandene zusätzliche Beeinträchtigungen und/oder Erkrankungen sowie etwaige Vorversorgungen. Außerdem werden in ihm die Fähigkeiten des Patienten bewertet und der auf dieser Grundlage ermittelte Mobilitätsgrad sowie die weiteren mit dem Therapieziel verbundenen Maßnahmen festgehalten. Die Beurteilung sollte durch den Arzt, den Therapeuten und den Leistungserbringer für die Krankenkassen bzw. den Medizinischen Dienst der Krankenkassen erfolgen. Auf diese Weise sollen die Gründe für die Auswahl der Prothese nachvollziehbar dargelegt und eine indikationsgerechte Versorgung unter Verwendung der hierfür geeigneten Technik sichergestellt werden.

Diesem Zweck dient auch die Zuordnung der Prothesenpassteile und -schäfte zu bestimmten Nutzungs- bzw. Eigenschaftsmerkmalen in den Beschreibungen der Produktarten. Diese Angaben können mit den im Profilerhebungsbogen erfassten Informationen abgeglichen werden.

Anspruchsvoraussetzungen für die Versorgung mit Beinprothesen

Versicherte der Gesetzlichen Krankenversicherung haben einen Anspruch auf die Versorgung mit Hilfsmitteln, wenn diese im Einzelfall erforderlich sind, um den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen (Paragraf 33 Abs. 1 SGB V).

Beinprothesen können zur Wiederherstellung der Steh- und Gehfähigkeit von den gesetzlichen Krankenkassen gewährt werden, sofern nicht ein anderer Sozialleistungsträger zuständig ist. Zu berücksichtigen sind dabei die Mobilitätsgrade 1 - 4. Patienten, die prothetisch nicht mehr mobilisierbar sind, haben auch keinen Anspruch auf eine funktionelle Prothesenversorgung.

Hilfsmittel zum Ausgleich einer Behinderung werden dann von Paragraf 33 SGB V erfasst, wenn sie benötigt werden, um die elementaren Grundbedürfnisse des täglichen Lebens befriedigen zu können. Dazu gehören auch die Steh- und Gehfähigkeit.

Bei der Entscheidung über die im Einzelfall erforderliche und angemessene Prothesenversorgung ist zu prüfen, welche Versorgungsform für die individuellen Verhältnisse des Versicherten geeignet und zweckmäßig ist. Dabei ist der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit der Versorgung zu beachten (Paragraf 12 SGB V). Der Versicherte hat keinen Anspruch auf Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind. Ein Versorgungsanspruch besteht nur, wenn der Versicherte durch den Einsatz des Hilfsmittels nach ärztlicher Einschätzung im Alltagsleben deutliche Gebrauchsvorteile hat. Vorteile, die sich lediglich in speziellen Lebensbereichen auswirken und nicht (auch) in solchen Bereichen, die zu den Grundbedürfnissen zählen, können keinen Versorgungsanspruch begründen. Insbesondere werden Freizeitbeschäftigungen vom Begriff des vitalen Lebensbedürfnisses bzw. Grundbedürfnisses des täglichen Lebens nicht erfasst. Das Wirtschaftlichkeitsgebot schließt eine Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenversicherung für solche Produkte aus, deren Gebrauchsvorteile nicht die Funktionalität, sondern in erster Linie die Bequemlichkeit und den Komfort betreffen.

Zwischen den Kosten und dem Gebrauchsvorteil eines Hilfsmittels muss eine begründbare Relation bestehen. Daran kann es fehlen, wenn die zusätzlichen Gebrauchsvorteile eines Hilfsmittels im Alltagsleben eher gering und die dafür anfallenden Kosten im Vergleich zu einem bisher als ausreichend angesehenen Versorgungsstandard als unverhältnismäßig hoch einzuschätzen sind.

Darüber hinaus muss der Prothesenträger in der Lage sein, das Produkt - und die sich daraus ergebenden Gebrauchsvorteile - zweckentsprechend nutzen zu können. Nicht jeder Betroffene ist in der Lage, von den Gebrauchsvorteilen eines Produktes zu profitieren. In diesen Fällen fehlt es an der Erforderlichkeit des speziellen Hilfsmittels.

Bei der Entscheidung sind alle relevanten Informationen heranzuziehen, insbesondere die Haupt- und Nebendiagnose, der Mobilitätsgrad, das Therapieziel und ggf. die Pflegestufe.

Versorgung von Kindern und Jugendlichen

Bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen ist zu berücksichtigen, dass bei ihnen nicht nur die Teilnahme am allgemeinen Schulunterricht, sondern auch die möglichst weitgehende Integration in den Kreis Gleichaltriger als Grundbedürfnis anzusehen ist und ihnen die Prothesenversorgung auch eine Teilnahme an den Aktivitäten Gleichaltriger ermöglichen soll (vgl. BSG, Urteil vom 23. Juli 2002 - B 3 KR 3/02 R).

Mindestgebrauchszeiten, Einfach-/Doppelversorgung

Aufgrund der hochwertigen Fertigung der Baupassteile, die ggf. in regelmäßigen Abständen instandgesetzt und gewartet werden, kann von einer langfristigen Nutzungsdauer ausgegangen werden.

Die Prothesenversorgung erfolgt grundsätzlich in einfacher Stückzahl. Auch aus hygienischen Gründen ist keine Doppelversorgung erforderlich.

Folgeversorgungen, Ersatzbeschaffungen

Bei Folgeversorgungen ist auch der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Notwendigkeit gemäß Paragraf 12 SGB V zu beachten.

Die Versorgung mit einer neuen Prothese bzw. einem neuen Bauteil nach Verschleiß der bisher verwendeten Prothese/Bauteile kommt nur in Betracht, wenn eine Reparatur nicht mehr möglich oder unwirtschaftlich ist.

Ein Ersatz einer Prothese durch eine technisch verbesserte Prothese kommt nur in Betracht, wenn diese erhebliche Gebrauchsvorteile beim Behinderungsausgleich im Alltagsleben bietet und der Versicherte in der Lage ist, die Gebrauchsvorteile zu nutzen.

Wasserfeste Beinprothesen (Badeprothesen)

Zur Erleichterung der Körperpflege steht eine Vielzahl von Hilfsmitteln (z.B. Badewannenbretter, Badewannen-/Duschsitze etc.) zur Verfügung. Im Einzelfall können auch Badeprothesen zur Körperpflege erforderlich sein.

Badeprothesen zum ausschließlichen Einsatz im Freizeitbereich können nicht zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden.

Formgebende Prothesenaußenverkleidung

Bestandteil der Prothesenversorgung ist auch die äußere Formgebung der Beinprothese zur Wiederherstellung des äußeren Erscheinungsbildes. Die Gesetzliche Krankenversicherung ist jedoch nur für einen Basisausgleich der Behinderung zuständig. Die Erfüllung besonderer kosmetischer Ansprüche hingegen fällt nicht in die Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenversicherung, da sie das Maß des Notwendigen überschreitet und somit dem Eigenverantwortungsbereich des Versicherten zuzuordnen ist (vgl. Paragrafen 2 Abs. 1, 12 Abs. 1 SGB V).

Interimsversorgung

Als postoperative Versorgung für einen Zeitraum von in der Regel mindestens 6 Monaten nach der Amputation kommen üblicherweise Interimsprothesen zum Einsatz. Voraussetzung für die Interimsversorgung ist der erfolgreiche Abschluss der Wundheilung (abgeheilte Narbe mit gezogenen Fäden). Die Interimsprothese dient der Vorbereitung der Definitivversorgung. Eine formgebende Prothesenaußenverkleidung ist hierbei nicht erforderlich. Die Definitivversorgung soll erst erfolgen, wenn sich die Stumpfverhältnisse nachweislich stabilisiert haben und eine Veränderung nicht zu erwarten ist.

Schaftsysteme zur Frühversorgung, die im Krankenhaus zur Ermittlung der Steh- und Gehfähigkeit eingesetzt werden, sind keine Hilfsmittel im Sinne der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Geh- und Stehtraining

Die zur Anpassung der Prothesen notwendigen Arbeiten und die Einweisung in den bestimmungsgemäßen Gebrauch der Prothese sind Bestandteil der vom Orthopädietechniker/-schuhmacher zu erbringenden Leistungen. Eine gesonderte Abgeltung dieser Maßnahmen erfolgt grundsätzlich nicht.

Diagnoseschaft

Zur exakten Anpassung des Prothesenschaftes kann bei komplizierten oder erheblichen Stumpfveränderungen der Einsatz eines Diagnoseschaftes erforderlich sein. Ein Diagnoseschaft setzt immer eine gesonderte Begründung seiner Notwendigkeit voraus und kommt nur bei Folgeversorgungen in Betracht.

Pflegemittel

Die Pflege und Reinigung der Prothese, des Stumpfes, der Liner und der Strümpfe erfolgt mit haushaltsüblichen Mitteln und fällt in den Eigenveranwortungsbereich des Versicherten.

Spezielle Pflegemittel fallen daher nicht in die Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenversicherung. Gleiches gilt für Pflegemittel, die als Zusätze in Liner integriert sind.

Besonderheiten der Abgabe von Prothesen

Nimmt der Versicherte zur Wiedererlangung der Geh- und Stehfähigkeit an einer Rehabilitationsmaßnahme teil, muss sichergestellt sein, dass er vor Beginn der Rehamaßnahme mit einer (Interims-) Prothese ausgestattet ist, da ohne die Versorgung mit einer funktionsfähigen Prothese eine sinnvolle und effektive Rehabilitation, die u.a. auch die Gehschule umfasst, nicht möglich ist. Da eine wohnortnahe Versorgung erfolgen muss, bietet sich während der Durchführung der Rehamaßnahme die Bereitstellung einer Definitivversorgung nicht an.



BRUSTPROTHESEN

Brustprothesen sind erforderlich nach der teilweisen oder vollstängigen Entfernung der Brust nach einem Mamakarzinom bzw. anderen Erkrankungen sowie bei ein- oder beidseitiger Fehl- oder Rückbildung der Brust.

Aufgabe der Brustprothese ist neben dem optischen Ausgleich auch die Erhaltung der Körpersymmetrie (Vermeiden von Schulterschiefstellung) durch ein angemessenes Gewicht der Prothese sowie das Erreichen eines der natürlichen Brust vergleichbaren Bewegungsverhaltens.

Viele Brustprothesen können in geeignete handelsübliche BH's eingelegt werden. Sofern erforderlich, können spezielle Taschen / Patten in den BH eingenäht werden. Diese Prothesentaschen / Patten fixieren die Brustprothese im BH und verhindern ein Verrutschen der Prothese. Auch spezielle Prothesen-BH's dienen der Fixierung der Brustprothese.

Einige Brustprothesen lassen sich durch eine Haftmöglichkeit (Haftstreifen, Haftschicht) am Körper direkt fixieren. Diese Brustprothesen können ebenfalls mit einem geeigneten handelsüblichen BH zusätzlich fixiert werden.

Leistungserbringer, Arzt und Patientin müssen daher gemeinsam das adäquate Befestigungssystem definieren. Dabei ist darauf zu achten, dass die beabsichtigte Versorgung ganztägig eingesetzt werden kann.

Die Reinigung der Brustprothese erfolgt mit handelsüblichen Mitteln und fällt in den Eigenverantwortungsbereich der Versicherten. Gleiches gilt auch für die Reinigung der Haut, die ebenfalls mit handelsüblichen Mitteln erfolgen kann.

Bei Prothesen mit Haftschicht erfolgt die Reinigung der Haftschicht ggf. mit Spezialreinigungsmitteln (vgl. Zuschuss zur Prothesenfixierung).

Zur Grundversorgung gehört eine Brustprothese. Da die Reinigung der Brustprothese problemlos mit handelsüblichen Mitteln möglich ist, ist eine Doppelausstattung aus hygienischen Gründen nicht erforderlich.

Die Regelgebrauchszeit für Brustprothesen beträgt zwei Jahre.

Brustprothesen müssen schweißbeständig, feuchtigkeits-, wasser-, meerwasser- und chlorwasserbeständig sein. Spezielle wasserfeste Brustprothesen fallen nicht in den Leistungsbereich der Gesetzlichen Krankenversicherung.


Zu den Brustprothesen im Sinne dieser Produktgruppe gehören folgende Produkte:

Brustprothesen zur Erstversorgung

Sie sind ein vorübergehender optischer Ausgleich für die postoperative Phase bzw. bis eine Definitivversorgung erfolgen kann. Durch die leichte Ausführung soll eine Reizung, z.B. der besonders empfindlichen Haut während der Bestrahlungstherapie und Belastung des Narbengebietes, vermieden werden.

Brustprothesen zur Definitivversorgung

Die Definitivversorgung mit einer Brustprothese soll erst nach der postoperativen Phase erfolgen und sich am Heilungsprozess orientieren.

Leichtprothesen dienen insbesondere bei einer großen Büste zu einer erheblichen Gewichtsreduzierung von 25 % bis zu 50 % gegenüber einer normalschweren Prothese. Dadurch soll u.a. eine Entlastung im Schulter- und Nackenbereich sowie eine Verbesserung des Lymphabflusses erzielt werden.

Brustprothesen mit funktioneller Rückseite

Bei diesen Prothesen ist die Rückseite so gestaltet, dass zum einen das Narbengebiet entlastet wird, z.B. durch Reduzierung von Scherkräften und/oder zum anderen eine stärkere Belüftung des Narbengebietes erreicht wird. Unzuträglicher Druck und Hautreizungen sollen bei empfindlichem Narbengebiet vermieden werden.

Brustprothesen als Schalenprothesen zum Ausgleich

Schalenprothesen ähneln im Umriss und in der Formgebung den Standardprothesen. Der Unterschied liegt in der dünneren und leichteren Schalenbauweise, die das noch vorhandene Brustgewebe ganz oder teilweise abdeckt. Sie werden eingesetzt bei Teilresektion, Implantaten, Wiederaufbau und Fehlbildungen.

Brustteilprothesen

Brustteilprothesen bestehen auch aus Silikon und ersetzen entfernte Segmente der Brust. Sie werden eingesetzt bei Teilresektion, Implantaten, Wiederaufbau und Fehlbildungen.

Spezial-Brustprothesen

Bei besonders schwierigen anatomischen Verhältnissen können serienmäßig hergestellte Brustprothesen nicht immer verwendet werden. Besonders bei radikaler Mastektomie oder zu kleinen Implantaten kann es vorkommen, dass die Brustprothese in ihrer Form individuell angepasst werden muss. In seltenen Fällen muss die Rückseite der Brustprothese individuell an die anatomischen Verhältnisse angepasst werden.

Zuschuss zur Prothesenfixierung

Bei der Ausstattung der Patientinnen mit Brustprothesen kann die Gesetzliche Krankenversicherung für die Proithesenfixierung zweimal jährlich einen Zuschuss gewähren.

Die Höhe diese Zuschusses wird auf der Grundlage des über den Wert des Gebrauchsgegenstandes hinausgehenden Aufwandes bei einem Prothesen-BH festgelegt. Dieser Zuschuss gilt sowohl für Prothesen-BH's als auch für alternative Fixierungsmöglichkeiten wie Haftstreifen, Haftauflagen oder haftunterstützende Mittel oder Haftflächenreiniger oder das Einnähen einer Prothesentasche / Patte in einen geeigneten handelsüblichen BH. Der Zuschuss kann maximal zweimal jährlich gewährt werden, unabhängig davon. welche Fixiermöglichkeit gewählt wurde.

Prothesen-BH's sind üblicherweise mit einer Prothesentasche oder Patte versehen, daher kommt das Einnähen einer Tasche / Patte grundsätzlich nur bei geeigneten handelsüblichen BH's in Betracht.

Bei haftenden Brustprothesen mittels Haftstreifen kommen Haftstreifen mit unterschiedlichen Materialien zur Anwendung. Durch verschiedene Größen und Formen der Haftstreifen ist eine Anpassung an die jeweilige speziell dafür geeignete Prothese möglich. Es werden auch wiederverwendbare Haftauflagen verwendet, die zwischen Prothese und Haut eingesetzt werden. Diese Produkte haften im Gegensatz zu Haftstreifen nahezu vollflächig, da sie die Prothesenrückseite fast komplett abdecken. Diese Haftauflagen haben zwei Haftflächen, eine zur Prothesenrückseite und eine zur Haut.

Haftunterstützende Mittel für die Haut und Haftflächenreiniger für Prothesen werden bei Prothesen mit Haftsystemen benutzt.

Zuschuss zu speziellen Prothesenbadeanzügen

Bei der Ausstattung der Patientinnen mit speziellen Prothesenbadeanzügen kann die Gesetzliche Krankenversicherung einen Zuschuss für den über den Wert des Gebrauchsgegenstandes hinausgehenden Aufwand gewähren. Die Erstausstattung erfolgt einfach, wobei eine Ersatzbeschaffung in der Regel nach drei Jahren erfolgen kann.

Brustprothesen-Zubehör

Je nach Größe und Form der Mamille ist es erforderlich, eine zusätzliche künstliche Brustwarze zusammen mit der Brustprothese zu verwenden.

Optische Besonderheiten an Brustprothesen, wie z.B. eine spezielle Warzenhofgestaltung, fallen nicht in die Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenversicherung, da Brustprothesen immer in einem Büstenhalter und unter Kleidung getragen werden. Demnach fällt nur die Formgestaltung in den Leistungsbereich der Gesetzlichen Krankenversicherung.



KUNSTAUGEN / AUGENPROTHESEN

Kunstaugen (Augenprothesen) aus Glas oder Kunststoff dienen der Rehabilitation nach Entstellung oder Verlust des natürlichen Auges. Sie haben die Aufgabe, die Augenhöhle vor Schaden zu bewahren und Schrumpfungen zu verhindern.

Kunstaugen aus Glas stellen die Standardversorgung dar. Sie sind aufgrund ihres Materials, der Verarbeitung, der anatomischen und individuellen Anpassung sowie der Biokompatibilität geeignet, die medizinischen Anforderungen zu erfüllen.

Kunstaugen aus Glas werden doppelwandig (Reformaugen) oder einwandig (Schalenaugen bzw. Bulbusschalen) gefertigt.

Kunstaugen aus Kunststoff kommen aufgrund von Anwendungsproblemen zum Einsatz, insbesondere wenn die Gefahr besteht, dass das Kunstauge aus Glas zerbrochen wird (z.B. bei greifbehinderten Personen) oder bei Kindern.

Kunstaugen aus Kunststoff werden im Regelfall aus Vollmaterial hergestellt, sind ggf. aber auch innen hohl.

Kunstaugen als Sonderanfertigung:

Kunstaugen als Sonderanfertigungen stellen Prothesenformen dar, die zur Defektversorgung (z.B. Defekte an Lid oder erhaltenem Augapfel) dienen. Hierzu gehören insbesondere Augenprothesen, deren sagitaler Durchmesser mehr als 3 cm beträgt, Augenprothesen, deren stabiler Sitz nur durch einen Abdruck ermittelt werden kann sowie Augenprothesen bei extremer Größe der Orbita.

Augenprothesen, die für eine Versorgung mit einem Implantat (Plombe) bestimmt sind und z.B. über einen Stift mit dem Implantat (Plombe) verbunden werden, bedürfen in der Regel ebenfalls der Herstellung nach Abdruck. Da es viele unterschiedliche Plombenformen und Befestigungssysteme gibt, muss die Anpassung der Augenprothesen an das Implantat immer individuell erfolgen.

Für die postoperative Versorgung oder als rekonstruktive Maßnahme in der Augenhöhle kommen Interimsprothesen wie Illigschalen, doppelwandige Lochprothesen oder Conformer zum Einsatz. Sie werden aus medizinischen Gründen benötigt und dienen der Vorbereitung der Augenhöhle bis zur Definitivversorgung oder werden in verschiedenen Funktionen nach chirurgischen Eingriffen in die Augenhöhle eingesetzt.

Alle Kunstaugen unterliegen einem Verschleiss an der Oberfläche. Die abgenutzte Oberfläche schädigt die Schleimhaut der Augenhöhle. Die durchschnittliche Tragedauer eines Kunstauges aus Glas beträgt 1 Jahr. Sie kann in Ausnahmefällen unterschritten werden, wenn die zuvor erwähnten Faktoren die Tragezeit beeinflussen (z.B. durch Veränderung der Augenhöhle oder bei Kindern als wachtumsbedingte Notwendigkeit).

Die durchschnittliche Tragedauer von Kunstaugen aus Kunststoff beträgt fünf Jahre.

Augenprothesen aus Kunststoff sollen ein bis zweimal jährlich poliert werden, wodurch Proteinablagerungen an der Oberfläche entfernt werden können.

Die Notwendigkeit der Erneuerung wird durch den behandelnden Facharzt festgestellt. Der Zustand der abgenutzten Kunstaugenoberfläche wird z.B. mittels Lupe mit zehnfacher Vergrößerung festgestellt. Gradmesser sind der Zustand der Augenhöhle, die Beschwerden des Patienten sowie die vorgegebenen Tragezeiten.

Indikation

siehe Produktarten

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