Definition

Inhaltsübersicht
1. Einleitung
2. Hilfsmittel im Sinne der Produktgruppe 21
2.1 Lungenfunktionsmessgeräte (Peak-Flow-Meter)
2.2 Blutdruckmessgeräte
2.3 Überwachungsgeräte für Vitalfunktionen bei Kindern
2.4 Überwachungsgeräte zur nicht- invasiven Blutgaskontrolle (Pulsoximeter)
2.5 Blutgerinnungsmessgeräte (Koagulationsmessgeräte)
2.6 Überwachungsgeräte für Epilepsiekranke
2.7 Blutzuckermessgeräte
2.8 Personenwaagen
3. Sonstige leistungsrechtliche Hinweise


1. Einleitung

Messgeräte für Körperzustände dienen zur Eigenmessung (z.B. Blutzuckermessgeräte) bzw. Überwachung von Funktionsparametern (z.B. Atem- und Herztätigkeit) durch den Versicherten (bzw. einer Betreuungsperson), um einen Krankheitszustand oder eine therapeutische Maßnahme regelmäßig zu kontrollieren. Damit können frühzeitig vom Versicherten (bzw. einer Betreuungsperson) gemäß einer vorherigen Vereinbarung (Handlungsanweisung) oder nach einer Rücksprache mit dem behandelnden Arzt entsprechende Maßnahmen ergriffen (bzw. unterlassen) werden. Mit Messgeräten zur Selbstmessung kann insbesondere die Dosierung von Medikamenten optimiert werden.

Eine Leistungspflicht der Krankenkassen besteht nur dann, wenn das jeweilige Produkt zur dauernden selbständigen Überwachung des Krankheitsverlaufs und/oder zur selbständigen sofortigen Anpassung der Medikation aus medizinischen Gründen zwingend erforderlich ist. Ferner können derartige Produkte zur Überwachung spezieller Risikogruppen (z.B. Überwachung bei Gefahr des plötzlichen Kindstodes) genutzt werden.

Der Versicherte und/oder ggf. die Betreuungsperson muss in der Lage sein, mit Erfolg den Gebrauch des Gerätes unter Anleitung des Arztes zu erlernen und die Auswertung der Messergebnisse beherrschen. Der verordnende Arzt hat die Eignung auf der Verordnung zu bestätigen.

Der Versicherte (bzw. die Betreuungsperson) muss ein Patiententagebuch führen, in welchem die gemessenen Ergebnisse bzw. aufgetretenen Ereignisse protokolliert werden und alle weiteren für eine Beurteilung des Krankheitsverlaufs wesentlichen Informationen (wie z.B. die Medikation) eingetragen werden. Ein in das Messgerät integrierter Speicher kann das Patiententagebuch i.d.R. nicht ersetzen und ist nur als zusätzliche Informationsquelle bei der Bewertung des Therapieerfolges anzusehen.

Der behandelnde Arzt muss sich davon überzeugen, dass der Versicherte bzw. die Betreuungsperson
- die Messungen fehlerfrei durchführen kann,
- das Patiententagebuch zuverlässig führt und
- die Ergebnisse richtig bewertet und umsetzt.

Bei der Versorgung von Versicherten mit Messgeräten ist jeweils im Einzelfall zu prüfen, ob eine leihweise Überlassung möglich ist.



2. Hilfsmittel im Sinne der Produktgruppe 21

2.1 Lungenfunktionsmessgeräte (Peak-Flow-Meter)

Peak-Flow-Meter oder auch Spirometer sind einfache Lungenfunktionsmessgeräte, mit denen der so genannte "Peak-Flow" (Spitzenfluss) bestimmt wird, d.h. die maximale Atemstromstärke, welche bei forcierter Ausatmung kurz nach ihrem Beginn erreicht wird. Die einfache Peak-Flow-Messung kann regelmäßig vom Versicherten selbst durchgeführt werden und ist ein gutes Mittel zur Objektivierung von zeitlichen Veränderungen des Schweregrades von obstruktiven Lungenerkrankungen, der häufig mit den subjektiven Beschwerden des Patienten nicht korreliert.

Der Versicherte muss regelmäßig (z.B. morgens und abends zu bestimmten Zeiten, bei Beschwerden, vor und nach Inhalationen) die Messungen durchführen und als so genanntes Peak-Flow-Profil in spezielle Protokollbögen bzw. Tagebücher eintragen, in denen auch weitere wesentliche Informationen, wie z.B. die Medikation und äußere Umstände, vermerkt werden.

Mit Hilfe des Peak-Flow-Profils kann ein geschulter Patient erkennen, welche Medikation erforderlich und wann ein Arztbesuch notwendig ist. Peak-Flow-Meter unterscheiden sich im wesentlichen durch ihr physikalisches Messprinzip und ihren Messbereich (siehe Hinweise in den Produktmerkmalen). Elektronische Peak-Flow-Meter mit speziellen Warneinrichtungen bei der Überschreitung von voreinstellbaren Grenzwerten (sogenannte Ampelfunktion) kommen insbesondere bei Kindern und Jugendlichen in Betracht. Hierdurch kann die Compliance oftmals erheblich gesteigert werden. Auch speichern die Geräte die gemessenen Werte automatisch.


2.2 Blutdruckmessgeräte

Blutdruckmessgeräte ermöglichen die Bestimmung des systolischen und des diastolischen Blutdrucks (Maximalwert während der Kontraktion des Herzens bzw. Minimalwert nach der Erschlaffung des Herzens). Eine regelmäßige häusliche Messung des Blutdrucks ist bei Versicherten mit hohem Blutdruck indiziert, bei denen dauerhaft eine engmaschige Überwachung erforderlich ist, z.B. wenn der Bluthochdruck nur schwer behandelbar ist oder wenn auf diese Weise organische Folgeschäden reduziert werden können. Die gemessenen Werte müssen durch den Versicherten oder die betreuende Person protokolliert werden und dienen der individuellen Anpassung der Medikation und der engmaschigen Therapieführung durch den behandelnden Arzt.

Die Messung erfolgt aufgrund der höheren Reproduzierbarkeit und Genauigkeit sowie der geringeren Fehlermöglichkeiten vorzugsweise am Oberarm, es stehen aber auch Geräte zur Messung am Handgelenk zur Verfügung. Letztere sind oftmals für motorisch eingeschränkte Versicherte einfacher zu bedienen. Zu beachten ist aber, dass nicht jeder Patient aus medizinischen Gründen (z.B. bei Arteriosklerose) ein Handgelenkgerät verwenden kann. Die Eignung ist vor der Verordnung vom behandelnden Arzt durch Vergleichsmessungen festzustellen. Bisher wurde ein medizinischer Nutzen für Messgeräte zur Blutdruckmessung am Finger zur Behandlung und Überwachung der Hypertonie nicht belegt, daher werden diese Geräte nicht im Hilfsmittelverzeichnis berücksichtigt. Nach der Art des Messablaufs können manuelle, halbautomatische und vollautomatische Geräte unterschieden werden. Kommen manuelle Geräte zum Einsatz muss der Patient in die Tätigkeit der manuellen Blutdruckmessung nach Korotkow eingewiesen worden sein. Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Systeme (Handgelenk- und Oberarmmessung) werden in den Produktarten beschrieben. Zur Blutdruckmessung bei Kindern werden i.d.R. spezielle Blutdruckmessgeräte bzw. Armmanschetten benötigt.

Einige Blutdruckmessgeräte können mit einer Sprachausgabe ausgestattet sein bzw. können nachgerüstet werden. Diese Geräte sind dann einsetzbar, wenn der Versicherte blind oder so stark sehbehindert ist.

Zum Schutz der Versicherten vor unvertretbaren gesundheitlichen Risiken und zum Erhalt der Messgenauigkeit der Geräte, werden für messtechnische Kontrollen (und ggf. erforderliche Nachkalibrierungen der Geräte) nach dem Stand der Technik Intervalle von 2 Jahren als sinnvoll und ausreichend angesehen.


2.3 Überwachungsgeräte für Vitalfunktionen bei Kindern

Beim Einsatz von Monitoren zur Überwachung von Kindern können medizinisch zwei Arten von Versorgungen unterschieden werden:

1. Es besteht ein unspezifisch erhöhtes Risiko (s. Indikationen) für den so genannten "plötzlichen Kindstod" (SIDS - Sudden Infant Death Syndrom). Mit speziellen Monitoren oder -Überwachungsgeräten wird die Atem- und Herztätigkeit und zusätzlich die Sauerstoffsättigung des Blutes von Säuglingen überwacht und bei Auftreten einer lebensbedrohenden Situation wie z.B. einem Atemstillstand ein Alarm ausgelöst. Die Dauer der Überwachung der Atem- und Herztätigkeit und auch der Sauerstoffsättigung des Blutes ist im allgemeinen begrenzt (z.B. bei SIDS-Risiko meist auf die ersten neun bis zwölf Lebensmonate). Die Geräte werden in der Regel leihweise zur Verfügung gestellt und sind für den Widereinsatz geeignet. Eine präventive Wirksamkeit durch alleiniges SIDS-Monitoring ist bislang nicht bewiesen. Es müssen daher immer auch die allgemein bekannten Präventionsmaßnahmen wie:
- Vermeidung der Bauchlage
- Vermeidung inhalativer Noxen (Rauchen der Eltern)
- Vermeidung der Überhitzung durch Nutzung geeigneter Kissen, Bettwäsche und -decken
- Vermeidung der Überhitzung durch zu stark geheizte Schlafräume
eingehalten werden.

2. Ferner kann eine spezifische Erkrankung oder Störung des kardiorespiratorischen Systems bestehen, wie z.B. in Form einer angeborenen Anomalie des Herzens oder der Lunge, welche eine dauernde Überwachung im häuslichen Bereich notwendig machen kann. Auch hier können i.d.R. Überwachungsgeräte für Kinder genutzt werden. Nur in besonders zu begründenden Einzelfällen (z.B. zur Überbrückung des Zeitraums bis zu einer Operation), können auch individuelle Lösungen unter Einsatz von Geräten, die nicht speziell für den häuslichen Bereich entwickelt wurden (Klinikgeräte wie z.B. Kapnometer) und somit auch nicht in das Hilfsmittelverzeichnis aufgenommen werden können, erforderlich sein. In solchen Fällen ist über eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen eine Einzelentscheidung notwendig, in welche der MDK einbezogen werden soll.


2.4 Überwachungsgeräte zur nicht- invasiven Blutgaskontrolle (Pulsoximeter)

Überwachungsgeräte zur nicht- invasiven Blutgaskontrolle messen kontinuierlich, transkutan, d.h. unblutig über die Haut, einen Blutgaswert, die sogenannte "Sauerstoffsättigung des Blutes" (SpO2). Zeitgleich wird auch eine Pulsmessung durchgeführt. Beide Messungen erfolgen unblutig, d.h. transkutan und vollautomatisch. Die gewonnenen Vitaldaten, können durch Einstellen von Grenzwerten überwacht werden. Eine markante Veränderung des Vitalparameters innerhalb dieser Grenzen, führt zu einem entsprechenden Alarm. Die Geräte werden als Hilfsmittel nur bei speziellen Krankheitsbildern unter engen Kriterien eingesetzt, so dass immer eine, Einzelentscheidung, in welche der MDK einbezogen werden soll, erforderlich ist. Die Überwachungsparameter und die Alarmgrenzen werden durch den behandelnden Arzt individuell eingestellt.


2.5 Blutgerinnungsmessgeräte (Koagulationsmessgeräte)

Mit Blutgerinnungs- oder Koagulationsmessgeräten zur Selbstkontrolle können Versicherte, bei denen die Gerinnungsfähigkeit des Blutes mit oral einzunehmenden, gerinnungshemmenden Medikamenten herabgesetzt werden muss, die Blutgerinnung selbst oder mit Hilfe einer Betreuungsperson messen. Die Messung erfolgt in Proben von Kapillarblut, ähnlich einer Blutzuckerselbstmessung.

Da jede Abweichung vom einzustellenden therapeutischen Bereich ein potentiell lebensbedrohliches Risiko darstellt (z.B. thrombembolische Komplikationen, wie Verschlüsse der Becken-Bein-Venen bei unzureichender Antikoagulation, Blutungsneigung bis zu Gehirnblutungen bei zu starker Gerinnungshemmung), müssen bei der Versorgung von Versicherten mit Koagulationsmessgeräten (Koagulometern) sehr hohe Anforderungen gestellt werden - insbesondere hinsichtlich der persönlichen Eignung, der theoretischen und praktischen Aufklärung der Versicherten zur Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten, der Schulung im Gebrauch des Hilfsmittels sowie der vertragsärztlichen medizinischen Betreuung.

Alle Versicherten, die mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt werden, bzw. die betreuenden Angehörigen oder Pflegepersonen, auch diejenigen Patienten, die keine Blutgerinnungsselbstkontrolle durchführen können, müssen vom Krankenhaus, der Rehabilitationseinrichtung und dem Vertragsarzt auf die spezifischen Anforderungen und Komplikationen/Gefahren einer Dauerantikoagulation im Rahmen der üblichen ärztlichen Aufklärungspflicht hingewiesen werden. Diese allgemeine Aufklärung ist Bestandteil stationärer, rehabilitativer bzw. vertragsärztlicher Leistungen und über die Entgelte bzw. die vertragsärztliche Vergütung abgegolten und sollte folgende Inhalte umfassen:
- Grundsätzliches zur Gerinnungshemmung, Wirkdauer und Wirkweise sowie zu möglichen Nebenwirkungen der Antikoagulantien
- Wechselwirkungen von Antikoagulantien und weiteren notwendigen Medikamenten
- Therapeutische Bereiche der Gerinnungshemmung
- Dokumentation der Blutgerinnungswerte mit Patientenpass
- Erkennen und richtiges Handeln bei Komplikationen
- Endokarditis-Prophylaxe besonders nach Herzklappenersatz
- Hinweise zu Reisen oder geplanten ärztlichen Eingriffen (z.B. Zahnextraktion).

Daneben muss der Versicherte in die Benutzung des Koagulometers eingewiesen werden mit der Möglichkeit, eine hinreichende Zahl eigener Messungen unter Anleitung durchführen zu können und Über- sowie Unterdosierungen des gerinnungshemmenden Medikamentes zu erkennen und zu korrigieren.

Vor einer dauerhaften Überlassung von Koagulometern ist zu belegen, dass die notwendigen Voraussetzungen tatsächlich erfüllt sind. Hierzu zählen insbesondere:
- Notwendigkeit einer dauerhaften (i.d.R. lebenslangen) Antikoagulation
- Zwingendes Erfordernis der selbständigen sofortigen Anpassung der Medikation
- Persönliche Eignung des Versicherten bzw. der Betreuungsperson zur Durchführung der Selbstkontrolle und Anpassung der Medikamentendosis
- Sicherstellung der vertragsärztlichen medizinischen Betreuung
- Feststellung einer ausreichenden Aufklärung des Versicherten zur Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten
- Ausreichende Einweisung in den Gebrauch des Gerätes
- Gewährleistung, dass die Messwerte exakt protokolliert werden.

Zur Überprüfung der Voraussetzungen kann die Krankenkasse den MDK hinzuziehen. In der Anfangsphase sollten die ein- bis zweimal wöchentlich aufgenommenen Messwerte monatlich durch den behandelnden Arzt überprüft werden. Zeigen sich in wiederholten Messergebnissen Werte außerhalb des therapeutischen Bereiches und Unsicherheiten in der medikamentösen Anpassung, empfiehlt sich die Rücknahme des Gerätes und die ausschließliche Betreuung und Gerinnungskontrolle durch den behandelnden Arzt.

Der medizinische Nutzen (Verringerung der durch die Dauerantikoagulation bedingten Komplikationsraten innerhalb des ersten Jahres nach Einleitung der Dauerantikoagulation) einer Hilfsmittelversorgung mit Blutgerinnungsmessgeräten ist für Patienten belegt, bei denen unmittelbar nach Implantation einer mechanischen Herzklappe die Blutgerinnungsselbstkontrolle bei dauerhafter Antikoagulation z.B. mit Cumarin-Derivaten (Phenprocoumon) eingeleitet wurde. Konkret treten bei Patienten, die unmittelbar nach dem Herzklappenersatz die Blutgerinnungskontrolle und Medikamentenanpassung selbst durchführen, weniger antikoagulationsbedingte Komplikationen wie Blutungen, Embolien oder Thrombosen auf als bei Patienten, bei denen die Blutgerinnungskontrolle und Medikamentenanpassung beim Vertragsarzt durchgeführt wird. Von daher ist für diese Versicherten die Blutgerinnungsselbstkontrolle anzustreben, sofern sie dafür geeignet sind.

Bei Patienten, bei denen aus anderen medizinischen Gründen eine lebenslange Antikoagulation erforderlich ist (z.B. länger als drei Monate zurückliegender Zustand nach Implantation einer künstlichen Herzklappe, Zustand nach künstlichem Blutgefäßersatz, Thrombophilie z.B. nach rezidivierenden Beinvenenthrombosen oder Lungenembolien, schwere Herzrhythmusstörungen wie chronisches Vorhofflimmern, Zustand nach ausgedehnten Herzinfarkten mit eingeschränkter linksventrikulärer Pumpfunktion inklusive einer fortgeschrittenen dilatativen Kardiomyopathie, Koagulopathien: z.B. AT-III-Mangel, Protein-C-Mangel, Faktor-II- und -V-Mutationen), konnte ein therapeutischer Nutzen (Reduzierung der antikoagulantionsbedingten Komplikationsrate) bisher wissenschaftlich nicht eindeutig belegt werden. Für diese Versicherten kann sich die Notwendigkeit einer Blutgerinnungsselbstkontrolle beispielsweise aus beruflichen Gründen wie Schichtarbeit oder wechselnde Einsatzorte, bei immobilen Pflegebedürftigen oder bei Kindern (Messung durch Eltern bzw. später durch die Kinder selbst) ergeben oder wenn Schwierigkeiten bestehen, die Arztpraxis in regelmäßigen Abständen aufzusuchen.

Es ist zu beachten, dass weiterhin trotz Gerinnungsselbstmessung stets eine regelmäßige Kontrolluntersuchung - in der Anfangsphase etwa monatlich, später ca. einmal im Quartal - durch den behandelnden Arzt erforderlich bleibt.

Leistungsrechtlich besteht ein Anspruch auf Blutteststreifen nach Paragraf 31 Absatz 1 SGB V, so dass diese nicht Bestandteil dieser Produktgruppe sind. Nach Paragraf 31 Absatz 3 SGB V entfällt für Blutteststreifen jedoch die Zuzahlungspflicht für Versicherte. Es kann von einem durchschnittlichen Verbrauch von ca. 100 Streifen pro Jahr ausgegangen werden.

Versorgungssets zur Blutgerinnungsselbstkontrolle sind dann zu Lasten der GKV verordnungsfähig, wenn das Set aus zugelassenen Einzelprodukten besteht. Für die Abrechnung sind die Positionsnummern der zugelassenen Einzelprodukte anzugeben. Nicht zugelassene Teile eines Sets können nicht zu Lasten der GKV verordnet werden. Sofern ein Set aus Hilfsmitteln und Verbandmitteln besteht, gelten die üblichen Regelungen.


2.6 Überwachungsgeräte für Epilepsiekranke

Überwachungsgeräte für Epilepsiekranke können bestimmte Formen (s. Indikationen) von epileptischen Anfällen erkennen. Mit ihnen werden durch Krampfanfälle ausgelöste Bewegungen gemessen und Betreuungspersonen alarmiert. Auf diese Weise kann die Wirksamkeit einer medikamentösen Therapie während der Nacht überprüft und die Medikation ggf. angepasst werden.

Zusatzausstattungen sowie Adaptionseinrichtungen für die Ankopplung an Rufanlagen oder den Start von Geräten zur Diagnose oder Dokumentation (z.B. EEG oder Video) fallen nicht in die Leistungspflicht der Krankenkassen.


2.7 Blutzuckermessgeräte

Blutzuckermessgeräte sind Hilfsmittel zur Messung der Glukosekonzentration im Blut. Die Messung erfolgt unter Zuhilfenahme von Blutzuckermessstreifen in Proben von Kapillarblut. Eine regelmäßig selbst durchgeführte Kontrolle des Glukosestoffwechsels gibt dem Patienten und dem Arzt einen guten Überblick über die therapeutisch erreichte Stoffwechselsituation unter Alltagsbedingungen.

Eine regelmäßige Selbstkontrolle des Stoffwechsels ist bei einem entsprechend geschulten, insulinbehandelten Diabetiker eine wesentliche Ergänzung der regelmäßigen Betreuung durch den Arzt. Sie führt zu einer Verbesserung der Krankheitsprognose, da sie wesentlich hilft, eine normnahe Einstellung zu erzielen und das Auftreten sowohl akuter Entgleisungen als auch langfristiger Komplikationen einzuschränken. Die erforderliche Häufigkeit der Blutzuckerbestimmungen hängt von der Art der Therapie und der Stabilität des Stoffwechsels ab.

Sonder- oder Zusatzausstattungen zur elektronischen Protokollierung und/oder Analyse der Messwerte fallen nicht unter die Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Blutzuckermessgeräte können mit einer Sprachausgabe ausgestattet sein oder nachgerüstet werden. Diese Geräte sind dann einsetzbar, wenn der Versicherte blind oder so stark sehbehindert ist.

Leistungsrechtlich besteht ein Anspruch auf Blutteststreifen nach Paragraf 31 Absatz 1 SGB V, so dass diese nicht Bestandteil dieser Produktgruppe sind. Nach Paragraf 31 Absatz 3 SGB V entfällt für Blutteststreifen jedoch die Zuzahlungspflicht für Versicherte. Liegt für den geschulten insulinbehandelten Diabetiker keine Indikation für ein Blutzuckermessgerät vor, werden die Mehrkosten für spezielle Teststreifen auch dann nicht übernommen, wenn der Versicherte das hierfür benötigte Messgerät selbst beschafft.

Versorgungssets zur Blutzuckerselbstmessung sind dann zu Lasten der GKV verordnungsfähig, wenn das Set aus zugelassenen Einzelprodukten besteht. Für die Abrechnung sind die Positionsnummern der zugelassenen Einzelprodukte anzugeben. Nicht zugelassene Teile eines Sets können nicht zu Lasten der GKV verordnet werden. Sofern ein Set aus Hilfsmitteln und Verbandmitteln besteht, gelten die üblichen Regelungen.


2.8 Personenwaagen

Waagen sind Hilfsmittel zur genauen Messung des Körpergewichtes bei Patienten mit zeitlich begrenztem Ausfall der Nierenfunktion (akutes Nierenversagen) als auch bei Patienten mit andauerndem, chronischen Nierenversagen (terminale Niereninsuffizienz), welche eine außerhalb des Körpers erfolgende (extrakorporale) Blutreinigung (Dialysebehandlung) benötigen. Die Messung erfolgt unter Zuhilfenahme von Personenstandwaagen oder Personensitzwaagen.


3. Sonstige leistungsrechtliche Hinweise

Messgeräte zur Selbstmessung, welche ausschließlich zu diagnostischen Zwecken eingesetzt werden, z.B. zur erstmaligen Abklärung der Ursache und/oder der Schwere einer Erkrankung sind keine Hilfsmittel im Sinne des Paragrafen 33 SGB V, auch wenn der Einsatz außerhalb der Praxis bzw. der Klinik im häuslichen Bereich erfolgt. Dies gilt auch für spezielle Telemetrieeinheiten zur dauernden Überwachung von Krankheitszuständen oder Abstoßungsreaktionen nach Transplantationen/Implantationen und für Medizinprodukte welche für therapiebegleitende Kontrolluntersuchungen (z.B. ambulante Kontrolle bei Schlafapnoe) genutzt werden.

Spezielle Messgeräte, z.B. für 24 h-Blutdruckmessung, Auswerteeinheiten oder - software, Drucker, Schreiber und anderes nur vom Arzt benötigte Zubehörteile fallen generell nicht in die Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Geräte, die üblicherweise zu einer zeitgemäßen Haushaltsausstattung gehören (z.B. Fieberthermometer, Haushalts- oder Diätwaagen), sind als Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens anzusehen und werden deshalb nicht von der Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenversicherung erfasst. Eine Ausnahme bilden die Personenwaagen bei der Durchführung einer Heimdialyse, insoweit diese nicht bereits im Rahmen der Sicherstellung der Dialyse zur Verfügung gestellt werden. Diese speziellen, medizinischen Waagen sind für eine Dialyse-Überwachung unerlässlich.

Geräte, die ausschließlich der Messung einer sportlichen Konditionsverbesserung dienen (z.B. Pulsmesser), unterliegen ebenfalls nicht der Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Indikation

Ausführungen hierzu finden sich unter den Indikationen der jeweiligen Produktart.


Querverweise
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