Definition

Die Kompressionstherapie umfasst Maßnahmen der äußeren, flächigen Druckapplikation bei Venenleiden, Lymphabflussstörungen und Verbrennungsnarben. Mittels flächigen Druckes soll der Ausbildung von Oedemen vorgebeugt und der venöse Rückfluss bzw. Lymphabfluss unterstützt werden.

Der Schwerpunkt des Einsatzes der Kompressionstherapie liegt in der Behandlung von Venenleiden der unteren Extremitäten. Als Hilfsmittel kommen komprimierende, extremitätenumhüllende, elastische Zweizug-Gewebe bzw. -Gestricke zum Einsatz, beispielsweise Strümpfe, die mindestens knielang sein müssen.

Für die Kompressionsbehandlung von Verbrennungen oder Narben nach chirurgischen Eingriffen kommen ebenfalls komprimierende, das Behandlungsgebiet flächig umhüllende, textile Gewebe
beziehungsweise Gestricke zum Einsatz, die als "Verbrennungsbandagen" angeboten werden.

Kompressionstherapiemaßnahmen können auch zur Formung ödematisierter Weichteile bei Extremitätenamputationen zur Anwendung kommen.

Kompressionstherapie ist in der Regel eine Langzeitbehandlung und bedarf entsprechender Hilfsmittel, die vom Patienten bei Vorliegen der medizinischen Indikation mit ärztlicher Anordnung, selbst angewendet werden.

Die Hilfsmittel zur Kompressionstherapie unterscheiden sich hinsichtlich des Anwendungszieles grundsätzlich von den Bandagen (PG 05), die eine komprimierende und/oder funktionssichernde (unterstützende, stabilisierende, bewegungslenkende) Wirkung besitzen.

Nach § 34 Abs. 4 SGB V in Verbindung mit der dazu ergangenen Rechtsverordnung sind "Kompressionsstücke" von der Versorgung ausgeschlossen.

Medizinische Kompressionsstrümpfe werden verordnet als

- Kompressionswadenstrumpf,
- Kompressions-Halbschenkelstrumpf,
- Kompressionsschenkelstrumpf,
- Kompressionsstrumpfhosen.

Diese Hilfsmittel werden in definierten Kompressionsklassen (I bis IV, siehe Indikation) angefertigt. In Einzelfällen kann eine Kombination aus verschiedenen Kompressionsstrümpfen/-hosen erfolgen. Diese Kombinationen können auch aus zwei übereinander getragenen Kompressionsstrümpfen bestehen, wenn das Anziehen eines Kompressionstrumpfes der erforderlichen Kompressionsklasse nicht möglich ist und durch die Kombination zweier Produkte die erforderliche Kompressionswirkung erreicht wird. Weitere Möglichkeiten sind die Kombination einer Kompressions-Caprihose mit einem Kompressionswadenstrumpf oder einer Kompressions-Bermudahose mit einem Kompressions-Halbschenkelstrumpf.

Anti-Thrombosestrümpfe sind keine Hilfsmittel im Sinne der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Versorgung im Zusammenhang mit ambulanten Operationen bleibt gesonderten vertraglichen Regelungen vorbehalten.

Die intermittierende Kompressionstherapie wird mit Apparaten durchgeführt, die über Ein- oder Mehrkammersysteme wechselnden Druck auf die zu behandelnde Körperregion ausüben. Mehrkammersysteme bauen die Druckeinwirkung von distal nach proximal, respektive von peripher nach zentral auf ("intermittierende Druckwelle").

Die Anwendung von Wechseldruckgeräten ist eine ergänzende Behandlungsmaßnahme bei oedematösen Stauungszuständen an den Extremitäten, bei denen eine kontinuierliche Kompressionstherapie erforderlich ist , durch die Anwendung von Kompressionsstrümpfen bzw. -hosen oder Kompressionsverbänden jedoch keine ausreichende Entstauung erreicht wird.

Die in Einzelfällen durchzuführende häusliche Behandlung mit Wechseldruckgeräten muss unter ärztlicher Aufsicht/Kontrolle stattfinden. Sie ist nur in Ausnahmefällen unter genauer Berücksichtigung der Indikation (siehe Indikationsbereiche) angezeigt.

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:
- Die Wirksamkeit muss vom Arzt am Patienten vorher geprüft worden sein.
- Der Patient muss die Handhabung des Gerätes beherrschen.
- Eine regelmäßige ärztliche Therapieüberwachung/Untersuchung ist erforderlich.
- Die kombinierte Anwendung des Gerätes und das Tragen von Kompressionsstrümpfen bzw. -ärmeln oder entsprechenden Kompressionsverbänden müssen sichergestellt sein.

Vor Verordnung von Kompressionsstrümpfen ist abzuklären, ob
- eine eindeutige Motivation des Patienten zur Durchführung der Kompressionsbehandlung vorhanden ist.
- die Fähigkeit des Patienten, selbständig das Hilfsmittel anzuwenden oder zuverlässige Hilfspersonen verfügbar sind.

Die Körpermaße für medizinische Kompressionsstrümpfe werden nach dem verbindlichem Maßschema (Güte- und Prüfbestimmungen RAL-GZ 387/1 und 387/2 vom Januar 2008) abgenommen.

Falls eine Versorgung mit einem Serienstrumpf durch eine erhebliche Abweichung an einem Messpunkt und/oder größere Abweichungen an mehreren Messpunkten nicht möglich ist, wird eine Maßanfertigung vorgenommen.

Beim Einsatz der Kompressionsklasse I können fast immer Serienstrümpfe und bei Klasse II überwiegend Serienstrümpfe verordnet werden.

Die Mindesthaltbarkeit von Kompressionsstrümpfen beträgt bei regelmäßiger Nutzung in der Regel 6 Monate.

Querverweise:
Kompressionssegmente mit stabilisierender Wirkung siehe auch Produktgruppe 05 "Bandagen".
Kompressionsstrumpfanziehhilfen siehe auch Produktgruppe 02 "Adaptionshilfen".

Indikation

MEDIZINISCHE KOMPRESSIONSSTRÜMPFE/BEIN

Verordnung von Kompressionsstrümpfen gemäß der Leitlinie "Medizinische Kompressionsstrümpfe" der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie unter Berücksichtigung der notwendigen Kompressionsklassen, Größen und Strumpflängen gemäß RAL-GZ 387/1 und 387/2.

Für die Versorgung lymphatischer Patienten ist auch die Leitlinie "Diagnostik und Therapie der Gliedmaßenlymphödeme" AWMF-Leitlinien-Register Nr. 058/001 zu beachten.

Auszüge aus der Leitlinie "Medizinischer Kompressionsstrumpf (MKS) AWMF-Leitlinien-Register Nr. 037/004

Verordnung der Strumpfart und Kompressionsklasse

Die Strumpfart und die Stärke des erforderlichen Andrucks, d.h. die Kompressionsklasse, sind abhängig von der Diagnose, von der Lokalisation der Abflussstörung und dem klinischen Befund. Eine starre Zuordnung einer Kompressionsklasse zu einer Diagnose ist nicht sinnvoll. Ziel der Kompressionstherapie ist die Besserung des klinischen Befundes. So kann bei einer Varikose ohne ausgeprägte Ödembildung auch eine Kompressionsklasse I zur Beseitigung der Beschwerden führen, während bei fortgeschrittenem Ödem und Hautveränderungen eher eine höhere Kompressionsklasse erforderlich wird. Beim beginnenden PTS reicht meist eine Kompressionsklasse II aus, während in schwereren Stadien höhere Kompressionsklassen und kurzzügige Materialien erforderlich sind. Beim beginnenden Lymphödem Stadium I) reicht meist eine Kompressionsklasse II während im Stadium III meist der höhere Anpressdruck der Kompressionsklasse IV notwendig ist. Ist der Patient physisch nicht in der Lage, den Kompressionsstrumpf der hohen Kompressionsklassen 3 und 4 selbständig anzuziehen, ist alternativ das Übereinandertragen von MKS niedrigerer Kompressionsklassen zu empfehlen.

Indikationen

Varikose
- Varikose primär und sekundär
- Varizen in der Schwangerschaft
- die Sklerosierungstherapie unterstützend
- nach venenchirurgischen Eingriffen

Thromboembolie
- Thrombophlebitis (superfiziell) sowie Zustand nach abgeheilter Phlebitis
- tiefe Beinvenenthrombose
- Zustand nach Thrombose
- Postthrombotisches Syndrom
- Thromboseprophylaxe bei mobilen Patienten

Chronische Veneninsuffizienz (CVI)
- CVI der Stadien I bis III nach Widmer bzw. C1S-C6 nach CEAP
- Ulkusprävention
- Leitveneninsuffizienz
- Angiodysplasie

Ödeme
- Lymphödeme
- Ödeme in der Schwangerschaft
- posttraumatische Ödeme
- postoperative Ödeme
- zyklisch idiopathische Ödeme
- Lipödeme ab Stadium II
- Lipo-Lymphödeme
- Phlebo-Lymphödem
- Stauungszustände infolge Immobilitäten (arthrogenes Stauungssyndrom, Paresen und Teilparesen der Extremität)

Andere Indikationen:
- Zustand nach Verbrennungen
- Narbenbehandlung

Absolute Kontraindikationen
- fortgeschrittene periphere arterielle Verschlusskrankheit
- dekompensierte Herzinsuffizienz
- septische Phlebitis
- Phlegmasia coerulea dolens

Relative Kontraindikationen
- ausgeprägte nässende Dermatosen
- Unverträglichkeit auf Kompressionsstrumpfmaterial
- schwere Sensibilitätsstörungen der Extremität
- fortgeschrittene periphere Neuropathie (z.B. Diabetes mellitus)
- primär chronische Polyarthritis

Risiken und Nebenwirkungen
Nicht passende medizinische Kompressionsstrümpfe können Hautnekrosen, nervale Druckschäden auf periphere Nerven und auch tiefe Beinvenenthrombosen verursachen.

Ende der Auszüge.

Hinweis: PTS = Postthrombotisches Syndrom


MEDIZINISCHE KOMPRESSIONSSTRÜMPFE/ARM

Für die Versorgung lymphatischer Patienten ist auch die aktuelle Fassung der Leitlinie "Diagnostik und Therapie der Lymphödeme" AWMF-Leitlinien-Register Nr. 058/001 zu beachten.

Die Versorgung von Lymphödemen, Lipödemen und Mischformen der oberen Extremitäten erfolgt insbesondere dann durch flachgestricktes Material, wenn aufgrund der Formveränderungen der Extremität rundgestrickte Armversorgungen nicht in der Lage sind, das Krankheitsbild ausreichend zu behandeln.

Es kommen Strümpfe (Ärmel) mit angestrickten Handteilen beziehungsweise "überlappende" Kombinationen von Handschuhen/Handteilen mit Armstrumpf ab Kompressionsklasse I und höher zur Anwendung.

Das Maßnehmen erfolgt an standardisierten Messpunkten, zum Teil werden konfektionierte Stücke angeboten.

Falls eine Versorgung mit einem Serienstrumpf durch eine erhebliche Abweichung an einem Messpunkt und/oder größere Abweichungen an mehreren Messpunkten nicht möglich ist, wird eine Maßanfertigung vorgenommen.

Die Indikationen im Einzelnen sind innerhalb der entsprechenden Produktart aufgeführt.

HILFSMITTEL ZUR NARBENKOMPRESSION

Verbrennungsnarben oder auch Narbengebiete nach chirurgischen Eingriffen (plastische Chirurgie) mit Keloidbildungstendenz werden mit Strümpfen, Ärmeln bzw. entsprechenden
Teilkörperstücken mit einem Oberflächendruck von 20 bis 35 mmHg versorgt.


Intermittierende pneumatische KOMPRESSIONSTHERAPIE

Die intermittierende pneumatische Kompressionstherapie kann bei Gewährleistung einer ärztlichen Behandlungskontrolle in zu begründenden Einzelfällen als ergänzende Maßnahme zu entstauenden, manuellen Lymphdrainagen und Kompressionsstrümpfen/-ärmeln bei den im Einzelnen innerhalb der entsprechenden Produktart aufgeführten Indikationen zur Anwendung kommen. Für die Verordnung der apparativen Kompressionstherapie gilt die aktuelle Fassung der Leitlinie "Intermittierende Pneumatische Kompression" der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie sowie die aktuelle Fassung der Leitlinie AWMF-Leitlinie "Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE)" AWMF-Leitlinien-Register Nr. 003/001

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