Definition

Inhalations- und Atemtherapiegeräte entfalten ihre therapeutischen Wirkungen über den Atemtrakt. In erster Linie werden Substanzen mit der Einatemluft verabreicht, es wird aber auch die Atemfunktion unterstützt bzw. ersetzt.

Die Versorgung mit einem Hilfsmittel für eine häusliche Inhalations- bzw. Atemtherapie setzt voraus:

a) Ein positiver Effekt der Behandlung ist nachgewiesen bzw. mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten.

b) Aufklärung durch den behandelnden Arzt über die Wirkung und Nebenwirkungen des verordneten Therapieverfahrens und der eingesetzten Medikamente einschließlich der Grundregeln für die Reinigung, Desinfektion und gegebenenfalls Sterilisation (Aufklärung über die Nebenwirkungen der eingesetzten Medikamente sowie die Grundregeln für Desinfektion und Sterilisation).

c) Einsicht des Patienten über die Notwendigkeit und Wirksamkeit dieser Behandlung und ein daraus resultierendes Vertrauen, sich selbst helfen zu können.

d) Zuverlässigkeit, Kooperationsbereitschaft und Motivation des Patienten, längere Behandlungsphasen durchzustehen.

e) Kenntnis des verordnenden Arztes über die häuslichen Verhältnisse, soweit dies für eine erfolgreiche Durchführung der Behandlung notwendig ist.

Ist eine dieser Voraussetzungen nicht erfüllt, soll eine häusliche Inhalations- bzw. Atemtherapie nicht durchgeführt werden.


AEROSOLINHALATION

Aerosol-Inhalationsgeräte im medizinischen Bereich erzeugen Tröpfchen aus Lösungen oder Suspensionen zur Inhalation; die im Aerosolgemisch enthaltenen Lösungs- und/oder Medikamententeilchen mit schleimlösender, entzündungshemmender, bronchialerweiternder, antiallergischer oder bakteriozider Wirkung werden unter Umgehung des Blutkreislaufes direkt an ihren Wirkort gebracht. Die Applikation erfolgt i.d.R. über ein Mundstück bzw. bei tracheotomierten Personen über eine spezielle Halsmaske. Für die Behandlung von Kleinkindern kann eine Gesichts-/Nasen-Maske erforderlich sein. Bei der Auswahl der Geräte ist zu beachten, ob eine Behandlung der oberen Atemwege (oberhalb des Kehlkopfes) oder der unteren Atemwege (unterhalb des Kehlkopfes) erforderlich ist. Das für die Behandlung der Atemwege in der Lunge (untere Atemwege) benötigte Spektrum kleiner Tröpfchen kann mit druckluftgetriebenen Düsenverneblern oder Ultraschallverneblern mit ausreichender Frequenz erzeugt werden, wobei aus medizinischer Sicht hier keine Unterschiede auftreten.

Vernebler für spezielle Medikamente werden immer dann benötigt, wenn für die Applikation eines Arzneimittels ein besonders homogenes und auf das Medikament abgestimmtes Tröpfchenspektrum benötigt wird. Auch können Medikamentenverluste und Kontaminationen der Umgebungsluft oftmals durch spezielle Konstruktionsmerkmale verhindert werden. Auch nebenluftgesteuerte Vernebler dienen diesem Zweck, sind jedoch noch zusätzlich auf den Patienten und seine Atemtechnik programmierbar, so dass nochmals eine Effizienzsteigerung erreicht werden kann.

Bei allen Verneblern, insbesondere aber für die speziellen Medikamentenvernebler und nebenluftgesteuerte Vernebler - sollte beachtet werden, für welche Medikamente die jeweiligen Produkte eingesetzt werden können (Herstellerempfehlungen in der Gebrauchsanweisung der Inhalationsgeräte). Auch kann es vorkommen, dass bestimmte Medikamente nur von bestimmten Verneblern appliziert werden dürfen, diese Informationen finden sich i.d.R. in den Arzneimittelinformationen und sind stets zu beachten.


SAUERSTOFFTHERAPIE

Bei der Sauerstoff-Langzeittherapie soll die Einatemluft mindestens 16 Stunden pro Tag mit Sauerstoff angereichert werden, wenn alle konservativen Therapieverfahren ausgeschöpft sind, um einen durch eine Lungenerkrankung hervorgerufenen Sauerstoffmangel des Blutes zumindest teilweise auszugleichen und/oder einen erhöhten Druck in der Pulmonalarterie zu senken. Die mit einer derartigen Sauerstofftherapie erreichbaren Therapieziele sind die Entlastung der Atemmuskulatur durch Rückgang des Atemminutenvolumens infolge des Sauerstoffs, die Erweiterung der Lungengefäße und eine damit verbundene Entlastung des rechten Herzens sowie eine direkte Verbesserung der Sauerstoffversorgung der Organe. Die Leistungsfähigkeit des Patienten nimmt zu, Häufigkeit und Dauer von Krankenhausaufenthalten werden reduziert. Eine positive Wirkung auf die Lebenserwartung ist nachgewiesen.

Der Sauerstoff kann entweder mit Druckgas-Flaschensystemen oder Flüssiggas-Behältersystemen zur Verfügung gestellt werden oder aber mit Hilfe von Sauerstoffkonzentratoren aus der Umgebungsluft angereichert (i.d.R. wirtschaftlichste Methode) oder mit Sauerstoffgeneratoren aus Wasser gewonnen werden.

Die Zufuhr des Sauerstoffs erfolgt zumeist über doppellumige Nasensonden (auch als Nasenbrillen bezeichnet), weniger häufig über einlumige Nasensonden und nur in seltenen Fällen über Masken. Eine funktionell günstige und außerdem sauerstoffsparende Applikationsmöglichkeit ist ein spezieller Trachealkatheter (Mikrotracheostoma; transtrachealer Sauerstoffkatheter, Scoop-Katheter), insbesondere für mobile Patienten. Diese Applikationsform erfordert sehr kooperative Versicherte und eine engmaschige fachärztliche Überwachung.

Grundsätzlich sind Systeme für die stationäre und für die mobile Behandlung zu unterscheiden, d.h. Systeme zur Nutzung an einem festen Standort (Einsatz i.d.R. bei einer Ruhehypoxämie) und für unterwegs (Einsatz i.d.R. bei einer Belastungshypoxämie). Stationäre Systeme wie z.B. netzabhängige Sauerstoffkonzentratoren und große Sauerstoffflaschen oder Flüssiggassysteme können i.d.R. nur mit Hilfe von Transporthilfen und oder Fahrgestellen in ihrem Standort verändert werden, ein mobiler, netzunabhängiger betrieb ist nicht möglich. Mobile netzabhängige Systeme, z.B. tragbare Sauerstoffkonzentratoren werden ebenfalls nur stationär eingesetzt, sind aber wesentlich leichter zu transportieren und können vom Versicherten z.B. bei Reisen ohne große Mühen mitgeführt werden. Mobile netzunabhängige Geräte ermöglichen neben dem stationären auch einen mobilen Betrieb, d.h das Gerät kann auch z.B. während des Gehens oder an Rollstühlen montiert genutzt werden. Da das Gewicht solcher mobilen Systeme den durch die verbesserte Sauerstoffversorgung erzielten Mobilitätsgewinn einschränken kann, werden auch die mobilen netzunahängigen Systeme häufig spezielle Transporthilfen (Caddys, Tragehilfen) angeboten. Die Ausstattung mit einem mobilen System für die Langzeitsauerstofftherapie erhöht die Bewegungsmöglichkeit und verbessert die Lebensqualität; sie kann inaktivitätsbedingten Folgeschäden vorbeugen.

Verlängerungsschläuche von bis zu 20 m Länge (maximale Längen können von Gerätetyp zu Gerätetyp variieren) sorgen zusätzlich für eine begrenzte räumliche Beweglichkeit um das Gerät herum. Eine weitergehende räumliche Unabhängigkeit erlauben nur mobile netzunabhängige Geräte.

Insbesondere bei mobilen Geräten wird mit Hilfe von elektronischen Zusatzgeräten, welche die Sauerstoffabgabe auf die Einatmungsphase begrenzen (sogenannte Demand-Ventile, Sauerstoffsparsysteme), der Sauerstoffverbrauch stark reduziert. Diese Sparventile können in das Gerät integriert oder ggf. extern als eigene Gerätekomponente angebracht sein. Folgekosten bei Flaschensystemen durch erhöhten Sauerstoffverbrauch können so gesenkt und die Reichweite der mobilen Geräte erhöht werden Bei allen Anwendungen von Sauerstoff als Druck- oder Flüssiggas sollte aus Wirtschaftlichkeitsgründen daher geprüft werden, ob der Einsatz von sauerstoffsparenden Zusatzgeräten, möglich und sinnvoll ist. Aufgrund der angestrebten langen Benutzungsdauer von mind. 16 Stunden täglich haben für die Wirtschaftlichkeit diese Folgekosten eine sehr große Bedeutung. Sauerstoffsparsysteme sind mit und ohne Alarmsystem erhältlich, wobei erstere i.d.R. kostengünstiger sind. Benötigt der Patient aus medizinischen Gründen eine Überwachung der Sauerstoffzufuhr, so sind Geräte mit Alarmsystem zu verwenden.

Sauerstoffdruckgasflaschen über 2 l sollten zur Langzeittherapie aus Wirtschaftlichkeitsgründen nicht eingesetzt werden. Es ist zu prüfen, ob nicht z.B. ein Konzentrator bzw. ein Flüssiggassystem günstiger ist. Im Einzelfall ist unter Berücksichtigung der Mobilitätsbedürfnisse und -möglichkeiten des Versicherten zu prüfen, ob die Versorgung mit einem stationären Sauerstoffkonzentrator oder -generator und zusätzlichen kleinen tragbaren Druckgasflaschen oder einem Flüssiggassystem praktikabler und wirtschaftlicher ist. Ggf. ist auch der Einsatz von sogenannten "Abfüllstationen" indiziert. Diese Stationen gestatten dem Versicherten mit Hilfe von Sauerstoffkonzentratoren selbst transportable Druckgasflaschen abzufüllen.

Sauerstoff als unabdingbarer funktionaler "Bestandteil" von Sauerstofftherapiegeräten, also des Hilfsmittels, ist leistungsrechtlich dem Hilfsmittelbereich zuzuordnen.

Andere Behandlungsformen wie z.B. die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie, die Oxyvenierungstherapie (Verabreichung von Sauerstoff direkt in eine Vene) und die Ozontherapie sind als ambulante Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung nicht anerkannt.

Eine Prüfung durch den MDK wird empfohlen, Hilfestellung bei der Begutachtung kann auch die Arbeitshilfe zur Langzeitbeatmung und Langzeitsauerstofftherapie bieten.


GERÄTE ZUR HÄUSLICHEN BEATMUNG UND DRUCKUNTERSTÜTZUNG

a) Systeme zur Behandlung schlafbezogener Atemstörungen

Eine häusliche Behandlung der schlafbezogener Atemstörungen (z.B. der obstruktiven und zentralen Schlafapnoe oder der Cheyne-Stokes-Atmung) setzt voraus, dass der Patient ein abgestuftes System der Diagnostik und Therapie durchlaufen hat. Die Ermittlung und Optimierung der Behandlungsparameter muss im Schlaflabor einer entsprechenden Fachklinik bzw. Fachabteilung mit nachgewiesener Qualitätssicherung erfolgen.

Die Häufigkeit und die Dauer nächtlicher Apnoephasen wird i.d.R. aktiv mit Geräten, welche die Atemwege "aufdrücken" (z.B. nCPAP-Geräte) reduziert. Beim CPAP (Continuous Positive Airway Pressure) wird ständig ein positiver Druck in den Atemwegen erzeugt, der diese "offen hält". Da die häusliche CPAP-Behandlung meistens nasal erfolgt, verwendet man zumeist die Bezeichnung nCPAP-Geräte.

Spezielle Geräte arbeiten atemzuggesteuert mit zwei unterschiedlichen Druckniveaus für Einatmung (IPAP) und Ausatmung (EPAP), z.B. Bi-Level CPAP bzw. passen den Atemdruck automatisch den Erfordernissen an (selbstadaptierende Systeme). Modulare Systeme bestehen aus einem Grundgerät und speziellen Programmiermodulen. So können durch Austausch der Programmiermodule kostengünstig und schnell auf Basis eines Grundgerätes verschiedenste Geräte mit unterschiedlichen Druckunterstützungsmethoden erstellt werden. Eine Anpassung an den Therapieverlauf ist somit ohne komplette Neuversorgung durchzuführen, auch der Weidereinsatz kann bei entsprechender Organisation vereinfacht werden.

Da die nCPAP-Behandlung in ihrer Durchführung relativ schwierig ist und eine Reihe von möglichen Nebenwirkungen auftreten können, muss eine intensive Einweisung und Nachbetreuung des Patienten sichergestellt sein. I.d.R. sollte der MDK mit eingeschaltet werden. Hilfestellung bei der Begutachtung kann auch die Arbeitshilfe zur Behandlung schlafbezogener Atemstörungen des MDS bieten.

Geräte zur Behandlung schlafbezogener Atemsunterstützung können nicht ein Beatmungsgerät (siehe folgender Abschnitt) ersetzen.

b) Häusliche Beatmung

Bei der häuslichen intermittierenden Beatmung wird die Spontanatmung des Patienten mit Hilfe einer Beatmungsmaschine mehrere Stunden täglich unterstützt. Bei dieser kontrollierenden oder assistierenden Beatmung, die i.A. über eine individuell angepasste Maske (Maskenbeatmung) oder über ein Tracheostoma (invasive Beatmung) erfolgt, wird der Patient von einem Großteil der Atemarbeit entlastet. Wesentlich ist, dass die Erholung der Atemmuskulatur auch zu einer Besserung bzw. Normalisierung der Blutgase in der beatmungsfreien Zeit führt. Man unterscheidet hier zwischen Geräten mit "offenem" (Leckagesytem) und "geschlossenem" (Ventilsystem) Atemsystem. Einige Geräte lassen auch die Auswahl des Atemsystems (offen oder geschlossen/Leckagesystem oder Ventilsystem) zu.

Wird die Atemarbeit vollständig durch das Gerät übernommen (Dauer- oder 24 h-Beatmung), so werden spezielle, lebenserhaltende Beatmungsgeräte benötigt. Die Beatmung erfolgt zumeist invasiv über Tracheostoma. Da bei einem Geräteausfall bzw. bei Fehlfunktionen
oder -bedienungen lebensbedrohliche Situationen auftreten können, müssen an die Betreuungspersonen aber auch an die Geräteausstattung besondere Anforderungen gestellt werden. Eine 24-Stunden-Betreuung ist oftmals unabdingbar, i.d.R. sind wegen der
gerätespezifischen Einstellparameter und der notwendigen Kenntnisse der betreuenden Personen, zwei Beatmungsgeräte des identischen Typs inklusive Zubehör zur Verfügung zu stellen. Die Verlagerung dieser intensivmedizinischen Maßnahme in den häuslichen Bereich sollte durch den MDK geprüft werden. Hilfestellung bei der Begutachtung kann auch die Arbeitshilfe zur Langzeitbeatmung und Langzeitsauerstofftherapie des MDS bieten. Hier finden sich auch Hinweise zum Überleit- oder Schnittstellenmanagement welches insbesondere bei Erstausstattung mit Hilfsmitteln zur Beatmung eine große Rolle spielt. Durch rechtzeitige Koordination und bei adäquater Einweisung der Betreuungspersonen kann der Erfolg der hilfsmittelgestützten Therapie gesichert und auf lange Sicht kostengünstiger versorgt werden.

In seltenen Fällen kann, insbesondere bei Säuglingen/Kleinkindern, der Einsatz von klinischen Beatmungsgeräten, die üblicherweise im klinischen Betrieb eingesetzt werden, für einige Zeit im häuslichen Bereich notwendig sein. Diese Klinikgeräte erfordern spezielle
Anwendungs- und Bedienungsvoraussetzungen und werden deshalb nicht im Hilfsmittelverzeichnis aufgeführt. Im Rahmen einer Einzelfallentscheidung können im begründeten Ausnahmefall die Kosten übernommen werden. Der MDK sollte hinzugezogen werden.

Auch Beatmungsgeräte können wie Druckunterstützungsapparate modular aufgebaut werden.

c) Sowohl für die Druckunterstützung als auch für die Beatmungstherapie werden zur Applikation der Atemluft spezielle Atemmasken benötigt. Diese verbinden über den Schlauch (Schlauchsystem, Atemsystem) den Patienten mit dem Atemtherapiegerät. Die Auswahl der Masken muss individuell erfolgen, als Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine ist sie
oftmals Entscheidend für die Patientencompliance und den Behandlungserfolg. Individuell angefertigte Masken werden nur in sehr seltenen Fällen, z.B. bei sehr hohem Atemdruck oder bei Gesichtsdeformitäten und Asymmetrien benötigt, können aber eine sinnvolle Alternative zu konfektionierten Masken darstellen, da sie i.d.R. wesentlich länger verwendbar sind.

d) Ebenfalls für die Druckunterstützung als auch für die Beatmungstherapie werden bei einigen Patienten - insbesondere bei invasiver Beatmung - Atemluftbefeuchter welche die zugeführte Atemluft anwärmen und anfeuchten benötigt. Die Befeuchter müssen auf das jeweilige Atemtherapiegerät abgestimmt sein, auf Kompatibilitätshinweise in den Produktbeschreibungen ist zu achten.


ATEMTHERAPIEGERÄTE ZUR SCHLEIMLÖSUNG/SCHLEIMELIMINATION

Diese Atemtherapiegeräte sollen das Lösen und Entfernen von Schleim aus den Atemwegenerleichtern. PEP-Systeme (PEP = Positive Expiratory Pressure) in Form von Mundstücken oder Masken erzeugen während der Ausatmung einen positiven Druck in den Atemwegen. Geräte, die mechanische Impulse (Vibrationen) generieren, dienen der Lockerung des Sekretes. Sie können sowohl von extern auf den Brustkorb als auch intern über den Atemstrom wirken.

PEP-Systeme können für sich allein oder in Kombination mit Inhalationsgeräten eingesetzt werden.

Extern wirkende Abklopf- und Vibrationsgeräte sollten nur dann eingesetzt werden, wenn andere Maßnahmen (insbesondere aktive Therapieformen und manuelles Abklopfen) nicht in ausreichendem Maße möglich oder wirksam sind. Geräte zum Absaugen von Schleim werden in der Produktgruppe 01 "Absauggeräte", Therapieliegen bei Mucoviscidose (CF) in der Produktgruppe 20 "Lagerungshilfen" behandelt.


ALLGEMEINE HINWEISE ZUR AUFARBEITUNG VON INHALATIONS-/UND ATEMTHERAPIEGERÄTEN

Bei der Anwendung von Hilfsmitteln im Sinne dieser Produktgruppe ist besonderer Wert auf die Hygiene zu legen. Durch die geforderten Qualitätsstandards werden hygienische Mindeststandards definiert, welche aber nur durch Einhalten der allgemein anerkannten Reinigungsvorschriften und -intervalle wirksam werden können. Die Anwendung von speziellen geschlossenen Sterilwasserpacks ist im häuslichen Bereich nicht notwendig, wenn frisch abgekochtes Leitungswasser verwendet werden kann.

Sauerstoffkonzentratoren, Beatmungsgeräte und ggf. auch Geräte zur Therapie von schlafbezogenen Atemstörungen müssen oftmals regelmäßigen technischen Kontrollen unterzogen werden um ihre Funktionsfähigkeit und Sicherheit zu erhalten. Nähere Angaben hierzu finden sich ggf. in den jeweiligen Produktarten. Ist zum Funktionserhalt der regelmäßige Austausch bestimmter in das Gerät fest eingebauter Komponenten erforderlich (z.B. Molekularsieb bei Sauerstoffkonzentratoren), so handelt es sich bei den benötigten
Produkten nicht um Verbrauchsmaterialien, sondern um Ersatzteile welche im Rahmen von Reparaturen (14.99.99.3) abzurechnen sind.


ALLGEMEINE LEISTUNGSRECHTLICHE HINWEISE

Die Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein, sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Inhalations- und Atemtherapiegeräte, die bauart- bzw. konstruktionsbedingt primär für den stationären Bereich bzw. die Arztpraxis konzipiert wurden (z.B. leistungsstarke Ultraschallinhalationsgeräte zur Dauerverneblung), sind aufgrund ihres erweiterten Funktionsspektrums bzw. ihrer größeren Leistungsstärke zum Einsatz in der häuslichen Inhalations- und Atemtherapie dem Grunde nach als nicht zweckmäßig bzw. wirtschaftlich zu erachten. In besonders begründeten Einzelfällen (z.B. o.g. Geräte zur Befeuchtung bei Tracheostoma) kann aber auch im häuslichen Bereich eine medizinische Indikation für die Verordnung von Inhalations- und Atemtherapiegeräten, die primär für den stationären Bereich oder die Arztpraxis konzipiert werden, gegeben sein. In solchen Fällen ist eine gesonderte Einzelfallentscheidung der Krankenkasse erforderlich, in die der MDK einbezogen werden sollte.

Indikation

AEROSOL-INHALATIONSGERÄTE FÜR DIE TIEFEN ATEMWEGE (SUBGLOTTISCH)

Eine Inhalationstherapie mit einem lungengängigen Aerosol, welche ein- bis mehrmals täglich je nach verwendetem Medikament zu Hause durchgeführt wird, kann als zusätzliche Behandlung bei chronischen Lungenerkrankungen das Grundleiden (insbesondere Obstruktionen und Schleimretention) bessern und akute Verschlechterungen verhindern.

Die häusliche Inhalationstherapie dient als zusätzliche Maßnahme vor allem zur Verhinderung von Rezidiven und akuten Schüben bei hartnäckigen Erkrankungen der Atemwege und der Lunge:

- Asthma bronchiale,
- chronisch-obstruktive Bronchitis,
- Bronchiektasen,
- Emphysem,
- einfache chronische Bronchitis,
- Lungenfibrosen und Lungensarkoidosen,
- Mukoviszidose
- Pilzerkrankungen der Lunge (Mykosen) und
- chronische Schleimhautretention bei Tracheostoma.

Die Deposition der Substanzen im Organismus und damit die herapeutische Wirksamkeit hängen vor allem von den physikalisch-technischen Eigenschaften des Aerosols ab. Außerdem werden sie durch die Form der Applikation, die Art der Atmung und die individuellen Verhältnisse der Atemwege beeinflusst. Je kleiner die Aerosolteilchen sind, desto weiter können sie in die tiefen Atemwege vordringen; die folgenden Angaben geben einen Überblick über die bevorzugten Depositionsorte in Abhängigkeit vom Durchmesser:

größer als 12 µm: Mund/Nase, Rachen
6 µm bis 12 µm: Glottisregion, große und mittlere Bronchien
3 µm bis 6 µm: kleine und mittlere Bronchien
kleiner als 3 µm: kleine Bronchien und Alveolen

Teilchen um 0,5 µm werden zum größten Teil wieder abgeatmet.


AEROSOL-INHALATIONSGERÄTE FÜR DIE OBEREN ATEMWEGE (SUPRAGLOTTISCH)

Indikationen stellen vor allem chronische oder rezidivierende Entzündungen im Nasen-Rachen-Bereich dar, insbesondere bei Kindern:

- Rhinitis und Sinusitis (insbesondere mit Tubenkatarrh und Otitis media),
- chronische Laryngitis und Pharyngitis (insbesondere sicca),
- ausgedehnte Operationen der Nasen-Nebenhöhlen (Nachbehandlung),
- Bestrahlungen im HNO-Bereich und
- funktionelle Dysphonien (mit Schleimhautretention).


SAUERSTOFF-THERAPIEGERÄTE FÜR DIE SAUERSTOFFLANGZEITTHERAPIE

Die Indikation zur Langzeit-Sauerstofftherapie ist gegeben, wenn nach adäquater Therapie und Vermeidung aller inhalativer Noxen eine chronische Hypoxämie nachweisbar ist. Eine behandlungsbedürftige chronische Hypoxämie liegt vor, wenn der arterielle Sauerstoffpartialdruck (PaO2) unter Ruhebedingungen während einer stabilen Krankheitsphase von ca. 4 Wochen mehrfach (mind. dreimal) = 55 mmHg (7,3 kPa) war. Bei Patienten mit COPD ist die Langzeit-Sauerstofftherapie auch bei PaO2-Werten zwischen 56 bis 60 mmHg (7,3 kPa bis 8 kPa) indiziert, sofern eine sekundäre Polyglobulie und/oder ein Cor pulmonale mit und ohne Rechtsherzinsuffizienz vorliegt. Die Indikationen zur Sauerstofflangzeittherapie hängen von der genauen Kenntnis der Grunderkrankung ab. Sie wird insbesondere durchgeführt bei:

- chronisch-obstruktiven Atemwegserkrankungen mit Zeichen der pulmonalen Hypertonie bzw. Rechtsherzbelastung,
- Emphysem mit Hypoxämie,
- Lungenfibrosen,
- Hyperkapnie infolge restriktiver Erkrankungen z.B.
-- Thorax- und Wirbelsäulendeformitäten,
-- posttuberkulöses Syndrom,
- neuromuskulären Erkrankungen z.B.
-- Duchenne'sche Muskelatrophie,
-- spinale Muskelatrophie,
-- Muskeldystrophie,
- bronchopulmonaler Dysplasie,
- Mukoviszidose und
- angeborenen Herzfehlern und primär pulmonaler Hypertonie, wobei im Einzelfall ein therapeutischer Effekt nachgewiesen sein muss.

Die Einleitung einer Sauerstofflangzeittherapie soll nach den Richtlinien und den Leitlinien der deutschen Fachgesellschaften erfolgen. Auch ist eine gute Kooperation des Patienten für den Erfolg der Therapie unabdingbar. Ggf. muss die Kooperationsfähigkeit des Patienten mit CO-Hb-Spiegeln sowie Kotininkonzentration im Urin und Betriebsstundenzahl belegt werden. Eine Sauerstofflangzeittherapie sollte mindestens 12 - 16 Stunden pro Tag durchgeführt werden.

Die Versorgung mit mobilen Geräten sollte sich auf mobile Patienten beschränken, die sich regelmäßig täglich ausserhalb des Hauses bewegen sowie Patienten mit ausgeprägter Belastungshypoxämie (z.B. Diffusionsstörungen im Rahmen einer interstitiellen Lungenfibrose mit Ruhe-Normoxämie).


SYSTEME ZUR BEHANDLUNG SCHLAFBEZOGNER ATEMSTÖRUNGEN

Schlafbezogene Atemstörung mit und ohne Obstruktion der oberen Atemwege (obstruktive oder zentrale Schlafapnoe, periodische Atmung, kardio-respiratorische Erkrankungen)), sh. Indikationen der einzelnen Produktarten sowie Empfehlungen der Deutschen Fachgesellschaften.


ATEMTHERAPIEGERÄTE ZUR SCHLEIMLÖSUNG/SCHLEIMELIMINATION

Zur Lockerung und Entfernung von Sekret aus den Atemwegen z.B. bei

- Mukoviszidose
- Bronchiektasen
- chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (insbesondere bei instabilem Bronchialsystem)

insbesondere zur Unterstützung und Ergänzung von hysiotherapeutischen Maßnahmen.

a) PEP-Systeme
Ein wichtiges Anwendungsgebiet von PEP-Systemen ist die Mukoviszidose, bei welcher sie durch eine Regulierung der Ausatmung den Sekrettransport in Richtung Hauptbronchien/Trachea fördern. Weitere mögliche Indikationsbereiche sind Bronchiektasen sowie - mit Einschränkungen - chronische Bronchitis und Lungenemphysem.

Die Verordnung von PEP-Systemen für die häusliche Therapie setzt pulmologisch erfahrene Ärztinnen/Ärzte voraus, welche mit dieser Methode vertraut sind.

b) Abklopf(Vibrations-)geräte
Indikationen sind neben der Mukoviszidose schwere Formen von chronischer Bronchitis und Bronchiektasen.


BEATMUNGSGERÄTE ZUR HÄUSLICHEN BEHANDLUNG

Die Beatmungsgeräte können bei Patienten mit schwerer Ateminsuffizienz unter anderem dazu beitragen, Krankenhausbehandlungen durch eine Therapie in häuslicher Umgebung zu ersetzen. Indikationsbereiche sind vor allem neurologische Erkrankungen mit unzureichender alveolärer Ventilation und chronische Lungenerkrankungen mit Überlastung der Atemmuskulatur:

1. Unzureichende Kapazität der Atemmuskulatur z.B.
- neuromuskuläre Erkrankungen und Myopathien
- hohe Querschnittlähmung
- Poliomyelitis

2. Hohe Belastung
- restriktive Erkrankungen (z.B. Skoliose, posttuberkulöse Syndrome)
- chron. obstruktive Lungenerkrankungen
- Lungenfibrosen (als Überbrückung vor geplanter Transplantation)
- bronchopulmonale Dysplasie (bei Kindern)

sowie Patienten mit primärer Störung des Atemzentrums (z.B. Undines Fluchsyndrom).

Allen Patienten gemeinsam ist als Zeichen der chron. ventilatorischen Insuffizienz eine Hyperkapnie, die i.d.R. in Ruhe vorhanden ist. Bei Frühformen zeigt sie sich zuerst im Schlaf oder/und bei Belastung. Auf jeden Fall sollte im Einzelfall nachgewiesen werden, dass die Therapie effektiv ist, z.B. sichtbar an einem Rückgang des pCO2 (gemessen außerhalb der Beatmung) und /oder an einer Zunahme der Mobilität bzw. der Befindlichkeit.

Querverweise:
Therapieliegen bei Mucoviscidose (CF): siehe PG 20 "Lagerungshilfen"

Geräte zum bronchialen Absaugen von Schleim und kombinierte Inhalations- und Absauggeräte: siehe PG 01 "Absauggeräte"

Verbrauchsmaterialien (Trachealkanülen, Filter etc.) zur Beatmungstherapie: siehe PG 12 "Hilfsmittel für Tracheostoma"

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