Definition

Als Tracheostoma wird ein operativ angelegter Luftröhreneingang am Hals des Patienten bezeichnet.

Die Atmung erfolgt nicht mehr - oder nur noch teilweise - durch Nase und Mund, sondern durch die über dem Brustbein in Höhe des zweiten bis fünten Trachealringknorpels (Luftröhrenringknorpels) angebrachte künstliche Körperöffnung. Eine Tracheotomie wird z.B. bei Versicherten mit Dauerbeatmung, bei einer intermittierenden chronischen Beatmung bei Ateminsuffizienz, nach einer operativen Entfernung des Kehlkopfes (Laryngektomie), bei mechanischer Behinderung der Atmung oder bei Tumor und Trauma im Bereich der oberen Luftwege (Trachea und Mund-Rachen-Raum) durchgeführt.

Wird das Tracheostoma im Zusammenhang mit einer Laryngektomie (Kehlkopfentfernung) angelegt, so trennt man dabei vollständig den Luft- vom Speiseweg, indem man den Stumpf der Trachea in die Halshaut einnäht. Die Atmung erfolgt in diesem Fall ausschließlich über das Tracheostoma, so dass die Sprechfunktion vollständig, die Riechfunktion teilweise und der natürliche Atemwiderstand sowie die Erwärmungs-, Befeuchtungs- und Reinigungsfunktion der oberen Atemwege verloren geht.

Bei Versicherten mit erhaltener Kehlkopf- und Schlundmuskelfunktion (z.B. bei Dauerbeatmung, bei Stenosen der oberen Luftröhre etc.) wird das Tracheostoma zur besseren Luftversorgung oder zur Schonung des Kehlkopfes angelegt und ist daher in vielen Fällen vorübergehend.

Nach entsprechender Hilfsmittelversorgung (bei Versicherten, denen der Kehlkopf entfernt wurde mittels Einsatz eines Shunt-Ventils) bleibt ggf. die Sprechfunktion erhalten oder kann diese wieder hergestellt werden.

Ein entsprechend geschulter laryngektomierter Patient kann die notwendige Pflege des Tracheostomas und den Wechsel sowie die Reinigung der erforderlichen Trachealkanülen i.d.R. selbständig und ohne Unterstützung des Arztes durchführen. Beatmete Patienten und insbesonder auch Kinder benötigen hierzu in der Regel die Hilfe einer Hilfsperson.


TRACHEALKANÜLEN

Das Tracheostoma wird unmittelbar nach der Operation und oftmals für die ersten Monate danach durch eine Trachealkanüle offen gehalten. Versicherte mit einer zu kleinen Luftröhrenöffnung oder mit einer Entzündungs- oder Schrumpfungstendenz im Bereich des Tracheostomas sind dauerhaft, teilweise lebenslang auf das Tragen einer solchen Kanüle angewiesen.

Trachealkanülen werden i.d.R. aus verschiedenen Kunststoffen, Teflon oder aus Silber gefertigt.

Kunststoffkanülen haben i.d.R. den Vorteil, dass sie thermosensibel sind und sich der Anatomie des Tracheostomas und der Luftröhre in gewissem Umfang anpassen. Sie unterliegen einem höheren Verschleiss und können nur über kürzere Zeiträume wieder verwendet werden. Eine häufige Erneuerung kann daher in Betracht kommen. Abhängig vom Patienten und vom eingesetzten Material kann die Nutzungsdauer erheblich variieren. Genauere Hinweise finden sich in den jeweiligen Einzelproduktbeschreibungen / Merkmalen.

Aus Teflon gefertigte Kanülen haben robuste Materialeigenschaften und sind bei entsprechend leichter Pflege mehrere Jahre haltbar, sie sind hart, unelastisch, durchsichtig und leicht.

Kanülen aus Silber sind wesentlich stabiler als Kunststoffkanülen, können aber zu Verletzungen durch Reiben an der Haut und an der Schleimhaut der Luftröhre führen. Silber als Kanülenmaterial erlaubt auf Grund der Materialeigenschaften eine längere Nutzungsdauer.

Die Kanülen können einteilig bzw. zweiteilig sein. Bei den zweiteiligen Kanülen kann der innere Teil (Innenkanüle) herausgenommen werden, ohne dass der äußere Teil aus dem Tracheostoma entfernt werden muss. Auf diese Weise sind Zwischenreinigungen möglich. Einteilige Kanülen müssen für jede Reinigung herausgenommen werden.

Insbesondere bei Silberkanülen werden die Innenkanülen für jede Außenkanüle speziell angefertigt, sie sind nicht untereinander austauschbar. Dies ist i.d.R. bei Teflon- und Kunststoffkanülen möglich, siehe hierzu auch die Hinweise in den Merkmalen der Einzelproduktlistung.

Ist der Kehlkopf des Versicherten noch erhalten, so kann eine Trachealkanüle mit Sprechventil benutzt werden, um dem Versicherten das Sprechen wieder zu ermöglichen. Diese Sprechventilkanülen werden gesiebt bzw. gefenstert, d.h. auf der Oberseite werden mehrere kleine Bohrungen (gesiebt, bei Außenkanülen) oder eine große Öffnung (gefenstert, bei Innenkanülen) angebracht. Im Ausnahmefall kann eine Einzelanfertigung durch den behandelnden Arzt verordnet werden. Verwendet ein Versicherter gesiebte bzw. gefensterte Kanülen, muss er zusätzlich eine ungesiebte/-gefensterte Außen-/Innenkanüle erhalten.

Die mehrmals tägliche - in manchen Fällen stündliche - Reinigung und Desinfizierung der Kanülen ist wegen Schleim- und Sekretabsonderungen notwendig. Damit eine Reinigung der Kanülen jederzeit möglich ist, sind dem Versicherten mindestens zwei Trachealkanülen zur Verfügung zu stellen.

Je nach individuellem Bedürfnis wird die Trachealkanüle in unterschiedlichen Durchmessern und Längen angeboten. Größe und Länge der Kanüle müssen dem Tracheostoma des Versicherten angepasst sein. Bei der Verwendung von Metallkanülen sollte die Länge geringfügig differieren, damit an eventuellen Druckstellen Erholungszeiten wahrgenommen werden können.

Beatmete Versicherte benötigen spezielle Trachealkanülen, welche über einen genormten Anschluss für ein Beatmungsgerät verfügen. Bei Erwachsenen und ggf. auch bei Kindern ist zusätzlich noch die Möglichkeit einer Blockung mit einer Manschette (sogenannter Cuff) notwendig. Teflon- sowie Silberkanülen eignen sich nicht zur Beatmung, weil sie hart und unflexibel sind.

Tracheostomaprodukte sind als Hilfsmittel im Sinne von Paragraph 33 SGB V nur dann zu Lasten der GKV verodnungsfähig, wenn sie selbstständig durch den Anwender genutzt und auch gewechselt werden können. Der Hilfsmitteleigenschaft steht nicht entgegen, wenn Produkte im begründeten Einzelfall durch Dritte gewechselt werden. Produkte, die gemäß ihrer Zweckbestimmung ausschließlich vom Arzt angelegt und in den Körper eingeführt werden, sind keine Hilfsmittel im Sinne des Paragraphen 33 SGB V, z.B. Montgomery-Tuben.


SCHUTZZUBEHÖR UND ZUBEHÖR FÜR TRACHEALKANÜLEN

Zum Schutz vor Staub- und Schmutzpartikeln, Insekten und/oder anderen Fremdkörpern, die durch das Stoma in die Luftröhre gelangen können, werden spezielle Schutzartikel wie Tücher, Lätzchen (wiederverwendbar), Rollis, Filter etc. benötigt. Zur Anfeuchtung und Erwärmung können Wärme-/Feuchtigkeitsaustauscher (künstliche Nasen / HME) ggf. auch mit Filterwirkung (HMEF) verwendet werden. Je nach persönlichem Bedarf sollte die Grundausstattung mit Schutzartikeln (z.B. Lätzchen, Tücher und Rollis) in der Regel 6 Stück umfassen. Im Rahmen der Körperlichen Hygiene muss beim Waschen, Haare waschen und insbesondere Duschen das Tracheostoma vor dem Eintritt von Wasser geschützt werden, was mit Hilfe eines Duschschutzes möglich ist

Versicherte mit einem Tracheostoma dürfen nicht ungeschützt größeren Wassermengen ausgesetzt werden, da das Wasser ungehindert durch das Tracheostoma in die Luftröhre eindringen und lebensgefährliche Komplikationen auslösen kann. Im Extremfall erstickt der Versicherte innerhalb weniger Minuten. Für die Bewegungstherapien gemäß Paragraph 32 SGB V im Wasser sowie für die Teilnahme am Schulschwimmen ist deshalb ein Wasserschutz erforderlich. Da das Eindringen von Wasser ein potentiell lebensbedrohliches Risiko darstellt, müssen bei der Versorgung von Versicherten mit derartigen Produkten sehr hohe Anforderungen gestellt weden - insbesondere hinsichtlich der persönlichen Eignung, der theoretischen und praktischen Aufklärung und der Ausbildung in den Gebrauch des Hilfsmittels. Die individuelle Anpassung der Geräte, die Einweisung in die Anwendung und die ersten Schwimmübungen müssen daher immer durch einen geeigneten Übungsleiter, z.B. einen Wassertherapiebeauftragten des Bundesverbandes der Kehlkopflosen e.V., erfolgen. Einer Kostenübernahme von Wasserschutzgeräten sollte lediglich dann zugestimmt werden, wenn sichergestellt ist, dass die entsprechenden Maßnahmen durchgeführt werden. Die Unterweisung der Versicherten zur korrekten Anwendung der Geräte ist i.d.R. Bestandteil stationärer bzw. rehabilitativer Leistungen und über die entsprechenden Entgelte abgegolten.

Das Tragen einer Trachealkanüle macht die Verwendung von Zubehör wie z.B. Abstandhaltern, Kleberingen und Hautkleber notwendig. Wird der Versicherte künstlich beatmet, werden zusätzlich Konnektoren (Anschlussstücke) für das Beatmungsgerät erforderlich. Um wieder riechen zu können, werden spezielle Riechschläuche angeboten. Sprechventile können bei Versicherten mit gesiebter/gefensterter Kanüle aufgesteckt werden und ermöglichen so eine Stimmgebung. Spritzen werden benötigt, um den Cuff von Beatmungskanülen füllen bzw. entleeren zu können. Ferner werden Spritzen benötigt, um verborktes und zähes Sekret mit Hilfe von Wasser bzw. NaCl-Lösungen zu lösen. Tracheospreizer werden zur Spreizung des Tracheostomas (Luftröhrenschnitt) bei tracheotomierten und laryngektomierten Patienten eingesetzt. Ersatzgitter dienen als Schutzgitter bei der Verwendung eines Stomabuttons. Sie verhindern die Einatmung von Fremdkörpern, welche größer als 0,8 mm sind. Mechanische Cuffdruckmessgeräte werden insbesondere bei beatmeten Patienten zur Kontrolle des Cuffdruckes bei geblockten Kanülen (Trachealkanülen zur Beatmung, mit Manschette (Cuff)) benötigt. Wärme-/Feuchtigkeitsaustauscher mit oder ohne Filterwirkung werden benötigt, um die Austrocknung der Luftröhre und der Bronchien zu verhindern und ggf. die Einatemluft zu filtern.


REINIGUNGS- UND PFLEGEZUBEHÖR

Die Reinigung und Desinfizierung der Kanülen ist insbesondere bei starker Sekretabsonderung regelmäßig, ggf. mehrmals am Tag mit haushaltsüblichen Mitteln unter Beachtung der Herstellerempfehlungen, z.B. Reinigungsintervalle, vorzunehmen. Spezielles, nicht haushaltsübliches Zubehör findet sich unter den Abrechungspositionsnummern wieder:

12.99.99.0007 Borkenpinzetten
12.99.99.1013 Trachealkanülenreinigungsbürsten
12.99.99.1005 Spezialreinigungstücher.

Alle anderen benötigten Materialien sind haushaltsüblich und unterliegen daher nicht der Leistungspflicht der GKV. So kann z.B. der Oxydationsvorgang bei Silberkanülen mit haushaltsüblichen Mitteln (z.B. Silberputztüchern, Silbertauchbädern) unterbrochen und rückgängig gemacht werden. Diese Produkte fallen nicht in die Leistungspflicht der GKV (Gesetzlichen Krankenversicherung). Diese Aussagen gelten nur für den häuslichen Bereich.


VERBRAUCHSMATERIALIEN

Aufgrund der starken Sekretbildung werden spezielle Kompressen und Lätzchen benötigt, welche das abfließende Sekret aufsaugen sollen. Lätzchen als Feuchtigkeitsschutz schützen die Kompresse vor Durchnässung mit Trachealsekret. Die Lätzchen sind nach ca. vier- bis fünfmaligem Abwaschen zu erneutern, so dass ein ständiger Bedarf entsteht. Zur Plfege des Tracheostomas und als Gleitmittel für Trachealaußenkanülen wird Tracheostoma-Öl benutzt. Es wird in Form von Ölflaschen, Sprühflaschen oder ölgetränkten Tüchern abgegeben. Um Beschädigungen an Kunststoffinnen- und -außenkanülen zu verhindern, sollten diese regelmäßig mit Silikonspray eingesprüht werden. Einmal-Innenkanülen für Trachealkanülen dienen der Beatmung. Zur Fixierung der Kanüle im Tracheostoma werden Kanülentragebänder benötigt. Diese sind regelmäßig zu erneuern. Kleberinge oder Hautkleber zur Adaption von Filtern / Sprechventilen sind Einmalprodukte, welche auf die Haut rund um das Tracheostoma aufgeklebt werden und die Adaption von z.B. Sprechventilen, Filtern und / oder Wärme-/ Feuchtigkeits-Austauschern (künstliche Nase/HME), ggf. auch mit Filterwirkung (HMEF), ermöglichen. Die Produkte sind selbstklebend, ggf. muss die Haut mit speziellen Reinigungstüchern vorbereitet werden.


VERSORGUNGSSETS

Versorgungssets für die Tracheostomaversorgung sind nicht zu Lasten der GKV verordnungsfähig und können nicht als Einheit im Hilfsmittelverzeichnis gelistet werden. Bestandteile eines Versorgungssets, bei denen es sich um zugelassene Einzelprodukte handelt, können unter Angabe der entsprechenden Positionsnummer abgerechnet werden. Es gelten die allgemeinen Regelungen.


SONSTIGE LEISTUNGSRECHTLICHE HINWEISE

Tracheal-Handinhalatoren, mit denen Wasser zur Befeuchtung des Tracheostomas appliziert wird, sind keine Leistung der GKV. Dienen die Inhalatoren zur Medikamentenapplikation, sind sie als Bestandteil des Arzneimittels zu sehen.

Raumluftbefeuchter zur Verbesserung des Raumklimas unterliegen nicht der Leistungspflicht der GKV, da sie Gebrauchsgegenstände darstellen. Die Gesetzliche Krankenversicherung ist nicht für die Schaffung eines gesunden bzw. besseren Raumklimas zuständig. Dies fällt vielmehr in den Eigenverantwortungsbereich des Versicherten.


SONSTIGE HINWEiSE

Auch wenn in den Qualitätsstandards z.T. keine Grenzwerte angegeben werden, ist es erforderlich die entsprechenden Daten auf Basis definierter Prüfmethoden zu erheben und in den Einzelproduktbeschreibungen anzugeben. Nur so ist eine adäquate Auswahl und ein Vergleich der Produkte möglich.



Querverweise:

- Absauggeräte, -katheter und -rohre: siehe Produktgruppe 01 "Absauggeräte"

- Inhalations- und Beatmungsgeräte, aktive Befeuchter: siehe Produktgruppe 14 "Inhalations- und Atemtherapiegeräte"

- Pulsoxymeter und Überwachungsgeräte: siehe Produktgruppe 21 "Messgeräte für Körperzustände"

- Shuntventile, Sprachverstärker und Stimmerzeuger: siehe Produktgruppe 27 "Sprechhilfen"

Indikation

Tracheostomie (Luftröhrenschnitt) insbesondere bei Laryngektomie oder als Beatmungszugang

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